10.11.2007 19 56 van #2642
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03.11.2007 21 48 van #2636
Bernward Vesper: Die Reise.
Ich hatte dieses Buch in die Hand gedrückt bekommen. Ich wollte dieses Buch gar nicht lesen. In den 68ern tat man ja meistens eine Reise, als Protest. Oder mit Drogen. Das "Ich" dieses Buches reist: nach Rijeka, nach München, nach Zürich, nach Undingen auf der Schwäbischen Alb. Mittelpunkt ist aber ein Ort, der Triangel heisst und den es tatsächlich gibt und der tatsächlich so heisst. Dort wächst Bernward nämlich auf, dort ist sein Vater: Will Vesper. Der dichtete auch, aber nur bis 1945, welche Last. "Dem Führer zum 50. Geburtstag: Sechs Jahre nur - und dem Wunder gleich / stieg aus dem Schutte das neue Reich / ein Reich des Friedens, ein Reich in Waffen / von Einem gewollt und von Einem geschaffen / etc." Diese Last, in Deutschland zu sein, diesem Land, wo nichts leicht ist. Deutschland, Land der Gezeichneten. Nun, als der Vater endlich tot ist - gründet Bernward erst mal einen Verlag. Mit Gudrun Ensslin, Pfarrerstochter aus Schwäbisch Alb ("Sie war eine hochintelligente Frau. Ich freue mich, dass ich sie kennen gelernt habe. ... Sie war auch eine sehr hübsche Frau. Die Zeitungen haben sie am Ende ja nur als Hexe gezeigt." Herr S., heutiger Verwalter Gut Triangel). Ziel des Verlags u.a.: posthume Neuauflage des Will Vesperschen Werkes. Dann war Gudrun endlich auch weg (Baader). Endlich schmeisst Bernward auch alles weg, den ganzen Kack. Die Zeit wird knapp. Es hätte auch klappen können. Das LSD war vielleicht nicht die beste Idee. Bernward gab sich 1971 Schlaftabletten, ich kam auf die Welt.
Man ärgert sich, oder lächelt, über die vergeblichen Versuche der Protagonisten, aus ihrer Falle zu rollen, wo man selber zugleich keine Ahnung hat, wie man aus der eigenen heutigen Falle rollen soll, die vielleicht noch nicht mal soviel anders beschaffen ist.
"Irgendjemand schenkte mir eine Katze. ... Wenn ich aus der Schule kam, lag Kater Murr meist in einem Sandbad in der Sonne, wälzte sich auf dem Rücken, haschte nach seinem Schwanz, kümmerte sich nicht darum, wenn ich näher kam, liess sich nicht fangen und strich mir nur nachmal um die nackten Beine und liess sich streicheln. ... 'Katzen', sagte mein Vater eines Abends, 'sind eine fremde, unberechenbare Rasse. Sie passen nicht zu uns. Sie stammen aus dem Orient, aus Ägypten.' ... Ich suchte Kater Murr. Er lag in seiner Kiste auf dem schwarzen Kissen und schlief. Ich streichelte ihn, ich glaubte keinen Augenblick lang, dass er den Hasen gefangen hatte, ... Die beiden Kisten standen noch einige Tage an der Heizung, dann kam ein Sonnabend, der Flur wurde gescheuert, man schaffte sie fort. Ich sprach nie mehr über Kater Murr."
Wikipedia über Bernward Vesper
Ortstermin in Triangel (Zitat Herr S.)
TAZ (Foto, das wir aber aus Copyright-Gründen hier entfernen mussten)
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