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20.02.2002 23 03 pet #298
Das Haus
Der Laden
Ich habe Natascha kennengelernt. Natascha ist eine temperamentvolle, junge Frau. Wie ich mich vorstellte, sprach sie mich sofort auf meinen lieben Nachbarn an. Sie nennt ihn Pinocchio, wegen seiner farbenfrohen Kleider. Im Schaufenster hat sie inzwischen wieder die Plastikbagger, -trucks und -garetten aufgefahren. Natascha macht nach eigenen Angaben gute Geschäfte, trotz oder gerade wegen der grossen Baustelle. Die Arbeiter kommen zum Znüni und Zmittag. Natascha war sehr fröhlich. Nachdem ein Lastwagenfahrer ihr draussen stehendes Kleidergestell umfuhr und sie ihn als "Schweizer" identifiziert hatte, erklärte sie mir umfassend, weshalb sie "Schweizer" nicht mag. Ich hätte mit ihr gerne darüber diskutiert, wann für sie ein "Schweizer" ein "Schweizer" sei. Ueberhaupt hätte ich gerne noch mehr mit ihr gesprochen. Da ich ihr gegenüber aber meine ausserirdische Herkunft unterschlug, liessen wir das Thema ruhen. Ich trank einen Kaffee und kaufte ihr eine blaue Hose ab.
19.02.2002 18 42 pet #287
"Auch das, was ich eigentlich sagen will, fällt mir gelegentlich gerade dann nicht ein, wenn ich danach suche; ich finde es eher durch zufälliges Daraufstossen als durch angestrengtes Grübeln. Da habe ich vielleicht einmal einen recht scharfsinnigen Gedanken eilig hingeschrieben ... dann habe ich den Faden so vollständig verloren, dass ich nicht mehr weiss, was ich sagen wollte; und manchmal hat das ein Aussenstehender eher herausbekommen als ich. Wollte ich alle Stellen, bei denen mir das passiert, wegradieren, so würde nicht viel übrigbleiben; durch reinen Zufall wird mir ein andermal der gemeinte Sinn plötzlich klar wie der helle Tag: und dann wundere ich mich über meine früheren Hemmungen."
Michel de Montaigne, Vom raschen und zögernden Sprechen, Die Essais
19.02.2002 18 22 pet #286
How to become happy by vacuum cleaning your soul on a nonmusical keyboard(Step 1)
Ich denke, es gibt Tage, an denen sollten alle Sprechorgane ruhen. Ich denke, Sprechen ist überflüssig. Ich denke, Schreien und Sprechen sind Möglichkeiten derselben Ausdrucksform. Ich denke, Singen ist die ideale Verbindung. Ich denke, Schweigen ist unangenehm. Ich denke, ich kann nicht mehr denken. Ich schreibe deshalb nur noch auf, was ich nicht mehr denken kann. Ich fühle nur noch das was ich nicht erfahren kann, ich träume nur noch das was ich nicht pflaumen kann. Pflaumen, frische Pflaumen, fermentierte Pflaumen - Schnaps. Wummernde Alpträume von Sätzen, die ich noch schreiben könnte. Ich verschlief die Zeiten in denen alles früher Gesagte von neuem gesagt wird. Ich schreibe nicht über das was ich sehe, was ich denke, was ich verstehe. Ich sitze an einem Tisch und versuche warme Finger zu bekommen.
15.02.2002 18 15 pet #272
14.02.2002 01 13 pet #266
Betonschacht im Neonlicht, springen Börsen über Fluss zu Zeitungsseiten, die inaktiv blau in der Dunkelweitigkeit schimmern, wimmern, dimmen. Jetzt sofort dimmen auf der Grossbaustelle weisshellgrelle Scheinwerfer. Scheinen wie in einem Film, runde Schächte eingelassen im Erdreich, Kommandos geschrien und Stahlseile an Kran klinkern, sinken. Traumfilm, irgendeine Mission. Ausschnitt. Nur der Auschnitt zählt. Duft gestorben, Wind gestorben nur der Ton und das Licht. Mann beleibt, strampelnd auf Fahrrad mit Ruderbewegungen. Architekturfuzzis gekrümmt vor Zürichs urbanpostmodernverschleckten Bilderwände von Häusern zum Wohnen. Zum teuer Wohnen und linkeckig Wohnen und viel klotzen und sauber wohnen und viel zu arbeiten, um stimmig zu wohnen und intelligent zu sterben in kahlen Betonwänden.Es ist kein konkaver Spitzbogen, kein einfacher Vorhangbogen. Klimpere hinter einem Eselsrücken. In einem Eselsbauch. Gelbes Licht und Erinnerung von einem Gang durch die Nacht. Fluss schmeckend nach geklärtem Wasser. Betonpfeiler der Autobahn, rauschendes Fahrwerk. Stille in der Stadt und in der Bar sitzt sie und diskutiert über die Beziehung. Kein schöner Anblick, geschleckte Langschwarzhaarige. Fritiertes von überallher - Oel. Oel. Auf dem Ersatzrad des Pickups die schwarze Katze, im Innern der Hund nur leise kläffend. Katze besteigt Schultern und krallt. Knetende Krallen und Vibrationen und Schnauzhaare kitzeln irgendwelche Sentimentalitäten ins Gewölbe. Das Puff ist da. Die roten Lichter im Kopf. Auf Zweirädern durch äussere Fieberträume, versteckt im Innern gebrochener Herzen. Tanzend den Betonstreifen begreifen. Tanzend das Eselsrückenreiten verleiten zu steigenden Treppen. Pulsfrequenzschrittmachend und unruhige Magen stossen sofort Geschmack von saurem Oel herauf. Riechen, Klammern. Meditierend an den Baum schiffen. Schifffahrt ankerwerfend. Abseilen durch horizontale Friedhöfe wo die Ruhe zählt. Ordnung heisst Unterordnung. Untot sein heisst Leben. Zwiewirrspalt halt. Der Grabsteinmetz schloss das rostige Tor und fuhr mich mit einem Amischlitten beinahe über den Haufen, Laufen, Saufen. Rauflärm bis in die Sackgasse der alkoholisierten Entscheidungsschrebergärtnergewinde. Freie Sicht auf den Sichtbeton! Oder - Darmspülung für Wursthäute. Oder. Und. Beides. Immergut.
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