06.02.2002 15 22 pet #231
porco-fidelio-miseria!
06.02.2002 15 07 pet #227
 Adorno playing piano
Das Auto
Die Ferien II
Bevor ich die Autobahnraststätte verliess, kaufte ich mir noch einige Liter Flüssigkeit und Zigaretten und setzte mich dann in das Auto, das für mich die nächsten paar Tage zu meinem Heim werden sollte. Bis zum Kauf der italienischen Strassenkarte, wäre für mich auch Skandinavien oder Spanien als Reiseziel in Frage gekommen. Hauptsache das Meer sehen. Für mich war das Meer in Italien immer das schönste. Abgesehen vom kalifornischen. Im Auto sitzend drehte ich das Radio an, lehnte mich zurück und fuhr ins Schwarze, linkerhand vorbeifliegende weisse Streifen. Was das leichte Tippen mit den Zehenspitzen auf einem Pedal für eine Wirkung entfaltet! Zwischen synkopischen Klängen schwach vernehmlich Virilios Stimme mehr im Kopf heute als aus dem Lautsprecher damals: "Mitgerissen von der ungeheuren Gewalt der Geschwindigkeit, bewegen wir uns nirgendwohin, wir geben uns mit der Aufgabe des Lebendigen zugungsten der Leere der Geschwindigkeit zufrieden".
Ich reiste bisher immer mit der Bahn durch Europa. So lernte ich Leute kennen. Mit dem Auto ist das anders. Alleine über lange Distanzen zu fahren ist, abgesehen vom ökologischen Widersinn, eine etwas einsame Angelegenheit. Aber ich wollte für einmal diese Abgeschiedenheit und schliesslich ist damit eine bestimmte Art von Freiheit verbunden. Hatte ich wenigstens geglaubt. Irgendwann bog ich wieder in eine Raststätte ein, genehmigte mir ein Bier, um dann im Auto zu schlafen, so wie ich das in den häufigsten der folgenden Nächte tat. Aus der Unruhe meiner damaligen Träume muss ich heute schliessen, dass Theodor W. Adorno selig mir ein Gutenachtlied nach folgender Weise vorgetragen haben muss: "Das Vergnügen befördert die Resignation, die sich in ihm vergessen will. Vergnügen heisst allemal: nicht daran denken müssen, das Leiden vergessen, noch wo es gezeigt wird. Ohnmacht liegt ihm zu Grunde. Es ist in der Tat Flucht, aber nicht, wie es behauptet, Flucht vor der schlechten Realität sondern vor dem letzten Gedanken an Widerstand, den jene noch übriggelassen hat." Meine Ferien mit dem Auto waren ein solches Vergnügen, und deshalb konnte ich eigentlich nur auf Autostopper hoffen.
03.02.2002 16 55 pet #217
In letzter Zeit muss ich sehr häufig gähnen, auch wenn ich bei entecker einlogge. Einmal fuhr ich Tram und schaute zum Fenster hinaus, und ich musste gähnen. Nun, das ist für sich genommen keine ungewöhnliche Reaktion. Das Heikle ist, dass ich mir immer häufiger dabei den Kiefer ausrenke. Das erste Mal war ich sehr schockiert über den Anblick, den ich dabei abgeben würde. Unterdessen habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, denn wenn der Mund schon mal offen ist, muss ich mich nicht mehr ums nächste Gähnen kümmern. Unterdessen kenne ich einige Uebungen, um die Sache wieder einzurenken. So versuche ich auf der Strasse vorbeieilende Passanten mit gutturalen Lauten dazu zu bringen, mir zu helfen. Am liebsten habe ich die Ohrfeigen. Natürlich gibt es auch jene, die mitleidig meine Zahnreihen nach kranken Zähnen absuchen und mir frischgekaufte Leckereien reinschieben. Alles in allem, ein Hundeleben halt.
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