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14.10.2006 19 34 pet #2397
Der Körper ist entspannt, das Blut zirkuliert unter den Riemen des tiefen Schlafes ungehindert. Der Körper ist der Anfang und das Ende, die Aussengrenze und der endgültigste Unort den es gibt. Vermögend der Intuition gefesselt frei zu sein, denkt und fühlt sich der Körper als Raum, den zu durchschreiten ein Leichtes ist. Diese Täuschung ist das lebensnotwendige Gift.
14.10.2006 01 36 pet #2395
Bülent, Inhaber des Flash-Points am Goldbrunnenplatz, kenne ich nun seit etlichen Mahlzeiten. Meine Bestellung endet immer mit dem Wort scharf. Bülent überhört es konsequent. Ich bin langsam stinkesauer auf ihn. Jedes Mal, wenn er mich herzlich begrüsst, versöhne ich mich wieder mit ihm, bis ich wieder die Schärfe nicht kriege, die ich wollte. Er ist immer schneller mit dem Fladenbrotwickeln, als dass ich wiederholt "scharf" sagen könnte. Mit leicht nachlässiger Hand wickelt er es wieder aus und schärft es. So milde wie Bülent lächelt kein mir bekannter Kebabier.
03.10.2006 00 54 pet #2389
Schräge Synkopen und Triller im Hubraum des Zweitakters meines Gestirns. Die Sterne leuchten fahl, die Verschlusszeit ist lang und die Schlieren beim Verdrehen der Augen verhaken sich mit den Bremslichtern bei der Ausfahrt meiner Gehirnströme in den verlustfreien Schaum der Träume.
28.09.2006 20 11 pet #2386
Hit the road Jack and don't you come back, no more, no more, no more (...) Der Nachbar hört diesen Song von Ray Charles im Repeat-Modus und ich höre mit. Es kratzt mir eine Rille ins Gehirn. Um der Abgelutschtheit zu entkommen, suche ich im Datenmeer nach Befindlichkeiten, die dieser Song auslöst, und stosse auf folgende:
Haut rein,ich schwör von GLatina (Gast)
ich höre hiphop,abba das is dea erste un einzige oldie dea voll reinhaut mann.Imma wenn ich des Lied hör fang ich an zu singn un fühl mich wie in einem westernfilm,eine dea ladies welche vor lauter männlichem publikum mit dunkler,rauher stimme in engem kleid un cowboyboots hit the road jack singt.is n geils gefühl,ich schwör.... das erste ma hab ich dea lied beim apreas ski letzts jah gehört mann das ging ab,am liebsten hätt ich mich auf die bühne gestellt un nach einigm alkoholkonsum;) mitgesungn,natürlich nua vor boyz
26.09.2006 23 35 pet #2383
Apple-Service-Center Bahnhofplatz
Gestern: Ich stehe in der Schlange. Vor und hinter mir Menschen mit ihren defekten Macs. Ich mit einem ipod-shuffle der den Geist aufgegeben hat. Sie fiel mir auf. Missmutiges Gesicht, Powerbook unter dem Arm. Lasse mir vom Techniker bestätigen, dass mein shuffle Elektroschrott ist.
Heute: Mein neu gekauftes Ersatzgerät tut seinen Dienst nur unzureichend. Sie holt ihr Teil wieder ab. Sie ist nicht mehr missmutig. Sie fordert mich auf, es doch selber zu machen. Zu trommeln oder so. Sie hat recht.
19.09.2006 17 59 pet #2372
16.09.2006 01 10 pet #2371
"Weil unsere Zeit nach dem Worte ringt, womit sie ihren Geist ausspreche, so treten viele Namen in den Vordergrund und machen alle Anspruch darauf, der rechte Name zu sein. Auf allen Seiten zeigt unsere Gegenwart das bunteste Parteiengewühl, und um den verwesenden Nachlass der Vergangenheit sammeln sich die Adler des Augenblicks. Es gibt aber der politischen, sozialen, kirchlichen, wissenschaftlichen, künstlerischen, moralischen und anderer Leichname überall eine grosse Fülle, und ehe sie nicht alle verzehrt sind, wird die Luft nicht rein und der Atem der lebenden Wesen bleibt beklommen. (...)"
Aus: Das unwahre Prinzip unserer Erziehung, oder: Humanismus und Realismus
Max Stirner, 1842
16.09.2006 00 00 pet #2370
Unangenehme Geruchsempfindungen:
Zugelaufen ist mir heute ein Ziegenbock, der muffig riecht und mir übel zusetzt. Er versucht sich in Philosophie und gibt doch nur Kotbällchen von sich. Bevor ich ihn zur Schlachtbank führe, frage ich noch, ob er Hunden oder Menschen zum Frass vorgeworfen werden möchte. Er antwortet mir nicht und ich führe den Bolzen an seinen Schädel. Mit seinem Tod habe ich gerechnet. Mit seiner Auferstehung als Mensch nicht. Dieser Mensch zickt mich an. Töten kann ich ihn nicht. Mein Moralempfinden verbietet mir das. Aussperren aus meinem Gesichtskreis, ignorieren werde ich ihn. Je mehr ich ihn vergesse, umso schärfer breitet sich in mir der böckelnde Gestank aus.
10.09.2006 02 27 pet #2364
Im Bärenfell eingerollt den Bowlekugeln die aus dem Nichts links und rechts runterdonnern ausweichen. Knapp vor dem Erschlagen werden, nur kurz ausruhend, auf die Reflexe hoffend. Atemlos in diesem von Hunden verpissten Fell durch die versmogte Peripherie schwebend, bis zur Landung in einem verödeten Industriepark mit verrosteten Gerätschaften. Tetanus ist ein Planet und die gestammelten Werke des eigenen Dilettantismus üben faszinierende Wirkung aus. Rotwein für Abtrünnige. Mit Rosemarie über den Teufel in ihrem Bauch gesprochen und Karl beim Traktieren einer versauten Ausgangslage erwischt. Abgestaubte Wirrnisse in der Lauge neutralisiert. Bettlacken verbrannt und die Lunge gedemütigt. Keine Zeit zu sterben. Der Abstrich der Langeweile ist boshaft und verwandelt den Rosenduft in Fäulnis. Schicksalhafte Verdrehung ungestümer Lebensfreude zur Ode an die Vergeblichkeit. Der fette Romuald ist ein hängendes Mastschwein am Haken. Er grunzt noch in jedem Computer, auch wenn er bereits gefressen wurde.
05.09.2006 23 26 pet #2361
Emotional Weather Report reloaded
Die kurzen Hosen wieder hervorgekramt. Onkel Tobias ist frisch geduscht und gekämmt und Tante Marta schwingt ihren Fächer lieblich. Der Sommer ist schön, gerade weil der Herbst ihn bald verschluckt haben wird. Ich liebe es. Das Aufbäumen einer gewesenen Schönheit. Die Sonnenblume vor dem Haus nickt, knickt.
30.08.2006 22 39 pet #2357
Emotional Weather Report:
Schlarpe ich so durch die herbstlich verregnete Stadt, dann sehne ich mich nach Sommer. Der heurige hat seinen Geist aufgegeben. Onkel Tobias ist ins Güllenloch gefallen und Tante Marta lismet neue Amedisli. Was für eine hundsmüde Angelegenheit. Die verwelkende Sonnenblume vor dem Haus sieht aus wie ein abgewracktes Liebesbekenntnis.
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