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11.12.2009 18 19 pet #2803
Interviewer bin ich. Für eine Forschungsstudie. Ältere Menschen befrage ich zuhause. Sie haben sich für die Studie angemeldet und werden nach zweimaliger telefonischer Rücksprache interviewt. Beim vorliegenden Fall nahm der Rentner, nachdem ich mich vorangemeldet habe, nochmals Kontakt mit der Studienleitung auf, um sich bestätigen zu lassen, dass ich wirklich berechtigt bin, ihn zu interviewen. Die Studienleitung mahnte mich darauf zur Behutsamkeit.
Ich klingle also beim Rentnerpaar gegenüber der Post. Nichts passiert. Plötzlich schnarrt es in meinem Rücken: "Kantonspolizei Zürich, Personenkontrolle". Ich wende mich einem Mittvierziger zu, der mich feindseelig mustert, und einen Sichterheitsabstand von zwei Metern einnimmt. Er ist mehr als ein Kopf kleiner. Nervös ziehe ich mein Portemonnaie aus der Tasche und klaube die ID hervor. "Was mached sie da?", herrscht mich der Mensch an. Ich stottere irgendwas von einer Studie, zeige ihm Dokumente. "In der Zeit der Enkeltrickbetrüger ist eine solche Studie nicht verantwortbar", kläfft er weiter. Ich verweise an die Studienleitung. Der Typ vor mir bleibt aber hart dran, möchte mich verbal und von seiner Körperhaltung her möglichst klein kriegen: "Und dass Sie sich für eine solche Studie als Interviewer zur Verfügung stellen, ist nicht sauber". In die Ecke getrieben verteidige ich meinen Job.
Polizisten sind sie zum Beispiel, leben auf dem Land, wählen SVP und ihre stärkste Waffe ist das Misstrauen. Ich hätte ihm ein Minarett in den Arsch schieben können.
02.02.2009 00 19 pet #2742
Gehen Sie doch Schlafen, Herr Meier. Fordert Frau Müller Herrn Meier immer wieder auf. Schlafen tut ihnen gut Herr Meier, dann vergessen Sie Ihre Sorgen, für die Zeit des Schlafes wenigstens, Herr Meier. Frau Müller in meinem Kopf versucht Herrn Meier das Schlafen plausibel zu machen. Und ich denke über die beiden phlegmatischen Provinzkrankenhausgestalten, die sich in meinem Kopf dieses packende Rededuell liefern.
21.10.2008 21 01 pet #2726
Die Fortführung der Fortsetzung verläuft nach dem Plan der Ideenlosigkeit. Sie schwebt über dem Sein wie eine Nebelbank. Ohne Grund und Boden - sie wird weggeweht. Betrunkene Geister sehen das so. Ich bin betrunken.
20.07.2008 00 05 pet #2714
Ich werde eingeladen an eine Privatparty, die in einem Haus stattfindet, das Kühle ausstrahlt. Eigentlich gehe ich nur dorthin, um nicht alleine zu sein. Die Gesellschaft aber ist mir zuwider. Ich langweile mich. Ich lege Musik auf, die ich mitgebracht habe, die Anlage hat aber ein technisches Problem und kann die Musik nicht abspielen. Insgeheim bin ich froh, dass ich sie nicht abspielen kann, da ich von der Zusammenstellung der Stücke selber nicht begeistert bin. Andererseits bedaure ich es, da ich mir beim Zusammentragen Mühe gegeben habe.
Das Haus wird plötzlich von aussen beschossen. Alle Gäste gehen in Deckung. Ein Gast weiht mich ein, dass dies eine neue Form von Terrorismus sei. Nachmoderne Anarchisten würden etablierte Menschen ins Visier nehmen, weil sie deren Leben studiert und es als nicht lebenswert erachten würden. In der Stimme des Gastes liegt eine Bedeutungsschwere, etwas Geheimnisvolles, auch Aengstliches.
Die Terroristen stürmen das Haus. Die Gäste ducken sich unter dem Fenster und kauern verängstigt an den Wänden, Schutz suchend. Einige Terroristen springen durch das offene Fenster ins Haus. Als ein Dunkelhäutiger herein springt, werfe ich ihm eine Suppenschüssel ins Gesicht. Ich löse mich von den anderen Gästen und habe keine Angst mehr. Habe das Gefühl, nichts zu verlieren. Die Terroristen erschiessen die Gäste, einen nach dem anderen kaltblütig. Ich bin schockiert, empfinde dabei aber auch eine gewisse Befreiung, was mir wiederum ein schlechtes Gewissen bereitet. Am Schluss bleiben etwa drei Gäste übrig. Ich vermute, ich hätte das ?Stockholm-Syndrom? entwickelt. Ich beginne mich mit den Ideen und der Lebensform meiner Geiselnehmer zu identifizieren, beginne sie zu bewundern. Mir ist bewusst, dass sie mich als Geisel halten, beginne aber in der Zeit, in der sie sich im gestürmten Haus einzurichten beginnen, mich in ihre Lebensgemeinschaft einzufügen. Ich fühle mich aufgehoben, obwohl ich in der Hierarchie zuunterst bin.
An einem Abend sitzen wir an einem Tisch. Eine Frau bedeutet meinem Tischnachbarn, mit ihr zu schlafen. Ich finde sie wunderschön und hätte mir gewünscht, sie hätte mich gewollt. Die Enttäuschung ist gross. Ich fühle mich als Versager. Plötzlich empfinde ich die Gemeinschaft nicht mehr als aufregend. Ich fühle mich betrogen. Ein Gefühl vom Verlust des Selbstwertgefühls, das ich mir vorher durch meinen Mut mich zu wehren, erworben habe.
Ich wundere mich darüber, dass die Terroraktion nicht die Polizei auf den Plan gerufen hat. Ein Anarchist klärt mich auf, dass die Polizei sich nicht für die früheren Bewohner des Hauses interessiere, da sie ökonomisch keinen Wert besitzen würden. Die Polizei würde nur eingreifen, wenn massiv wirtschaftliche Interessen gefährdet wären.
Trotzdem beobachten uns zwei Subjekte aus einer sicheren Distanz. Wir ergreifen die Flucht mit Velos und trennen uns in alle Himmelsrichtungen. Ich geniesse meine Verwegenheit, gleichzeitig fühle ich mich einsam. Auf einem Feldweg halte ich nach geglückter Flucht an und fühle mich allein und wieder auf mich selbst zurückgeworfen.
14.05.2008 00 30 pet #2697
In Wahrnehmung des nachmitternachtlichen Verkehrs auf der Birmensdorferstrasse, stelle ich fest, dass die Lichtsignale noch nicht Orange blinken. Bei anderer Gelegenheit beobachtete ich um diese Zeit nach Mitternacht am Manesseplatz die orange blinkenden Lichter. Oder täusche ich mich? An viel befahrenen Kreuzungen sind die Signalanlagen bei Dunkelheit ein wahres Sedativum für die Seele. Der Rhythmus ihres Farbwechsels ist ein Mantra für die von ungestüm feuernden Neuronen in Aufruhr gebrachte Seele. Seele. So ein Scheiss. Es gibt keine Seele. Es gibt nur Wurstsalat.
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