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29.01.2002 18 25 nik #189

Moderne Nachgestaltung auf der Römerstrasse bei Brixen 1985, unscharf und vergilbt
28.01.2002 23 52 nik #186
LIFESTYLE:
Klassisch-Elegantes für Zierliche: C’est ça!
Kopfmassagegerät mit zweifelhaftem Ruf
Star-Mode aus dem Katalog
Pistentaugliche Sonnenbrille
Schnelle Pflege für Gestresste
Designer-Preis für futuristisches Sofa
28.01.2002 18 36 nik #184
Zugfahrten bereiten mir besonders grosse Freude. Ich sehe zu, dass ich stets fünf Minuten bevor der Zug losfährt im Abteil sitze, um nicht in die unangenehme Situation zu gelangen, dass ich jemanden fragen muss, ob noch ein Platz frei sei. Ich bin ein Fahrtrichtungssitzer mit Vorliebe für doppelstöckige Züge. Ich sitze immer oben, denn oben befindet sich das Raucherabteil und ich rauche gerne eine Zigarette. Nichtraucher, welche genötigt sind, durch das Raucherabteil zum Nichtraucherabteil zu gehen, beklagen sich gerne über den Gestank. Sie formulieren ihre Missgunst fast immer als Vorwurf. Kinder rümpfen die Nasen oder halten die Luft an, was zur Folge hat, dass sie am Ende des Abteils einen roten Kopf haben. Es kommt vor, dass ein Nichtraucher im Raucherabteil Platz nehmen muss. Man kann sich den Leidensdruck gut vorstellen.
Wenn ich sehe, dass der Kontrolleur naht, bereite ich mich auf die Kontrolle vor, indem ich das Billet und das Halbtaxabonnement so in meiner Brieftasche placiere, dass ich es, wenn es soweit ist, mit einem kleinen Handgriff - man könnte es Zücken nennen ? hervorzaubere, um dem guten Mann Wartezeit zu ersparen. Der Kontrolleur nimmt dann das Billet, setzt den Locher an ? ein viel zu massiges Ding, bedenkt man seine Leistung ? und drückt ab, wenn er sich von der Gültigkeit des Halbtaxabonnements vergewissert hat. Die Handlung wird meist von einem kurzen und seriösen Nicken begleitet. Viele Fahrgäste bleiben bei diesem Vorgang stumm, ich bedanke mich stets. Einerseits bedanke ich mich bei dem guten Mann, der seine Arbeit verrichtet, andererseits dafür, das ich mit einem solch wunderbaren Fortbewegungsmittel fortbewegt werde.
27.01.2002 23 44 nik #171

Im Zug von Madrid nach Sevilla verteilte eine Hostess Bonbons und Erfrischungstücher. In Sevilla kam ich wiederum spät abends an. Gegen zehn oder elf. Ich nahm ein Taxi, denn der Bahnhof lag etwas außerhalb der Stadt. Ich nannte dem Taxichauffeur die Adresse eines Hotels, welche ich meinem Reiseführer entnommen hatte. Wir fuhren durch die verwinkelte Altstadt und er setzte mich an einem Platz ab. Alle Zimmer des Hotels waren bereits belegt, also nahm ich ein anderes. Mein Zimmer war klein und hatte keinen Fernseher, was ich bedauerte. Es war jedoch sehr günstig. Es hätte mir aber nichts ausgemacht etwas mehr zu bezahlen. Ich packte meine Tasche aus, nahm eine Dusche und wechselte die Kleider. Danach ging ich in die Stadt. Ich ging in eine Bar, welche mir aufgefallen war, da sie vis-à-vis vom ersten Hotel lag. Ich trank ein Bier. Heineken. Der Typ neben mir sprach mich an. Ich kann mich an das Gesprochene nicht mehr erinnern. Jedenfalls verließen wir wenig später die Bar, denn er meinte es gäbe noch weitaus bessere Orte um etwas zu trinken. Ich musste ihm glauben. Seinen Namen weiß ich nicht mehr, was mich nun ein wenig ärgert. Ich nenne ihn einfach Giorgio oder besser G., das macht es noch einfacher. G. war Peruaner oder Argentinier und erzählte dauernd von seiner Italienischen Freundin. Er war offenbar hingerissen vom italienischen Temperament und betonte, die spanischen Frauen seien kalt und abweisend. G. war ein Künstler, genauer gesagt Fotograf. So viel ich verstanden habe, arbeitete er zu jener Zeit für eine Zeitschrift der katholischen Kirche, auf jeden Fall zeigte er mir Aufnahmen von Nonnen und barocken Kirchenportalen. G. besaß ein schwarzes Rennfahrrad und war ein bisschen beleibt. Wir gingen also an jenen Ort, wo man besser Bier trinken konnte.
Ein paar Stunden später betraten wir ein Restaurant und bestellten Pollo an einer gelben Sauce und tranken danach Café solo. Es war wahrscheinlich eine Safransauce, und um das Poulet schwammen Oliven in der gelben Sauce. Das Licht war ebenfalls gelb und auch die Decke und Wände. Die einzigen Gäste außer uns waren vier oder fünf Polizisten. G. deutete vielsagend auf sie, schwieg eine Weile und erzählte mir daraufhin von einem Erlebnis mit der Polizei. Künstler und Ausländer - er war ja beides - seien bei der Polizei unbeliebte Zeitgenossen. Ich ging auf die Toilette. Dazu musste man über eine Wendeltreppe ins Untergeschoss hinabsteigen. Das Untergeschoss hatte dieselbe Fläche wie das Restaurant. Allem Anschein nach, war es so etwas wie eine Disco. An den Wänden hingen Spiegel und an der Decke eine Discokugel. Die Toilette befand sich am anderen Ende des Raumes. Als ich zurückkam, hatte G. bereits bezahlt, und wir beschlossen schlafen zu gehen. Wir verabschiedeten uns. Er gab mir noch seine Telefonnummer, setzte sich auf sein Fahrrad und war weg.
Bis ich mein Hotel fand, irrte ich noch eine halbe Stunde durch die Stadt. Es war inzwischen hell geworden. Der Receptionist meines Hotels war ein wenig erstaunt darüber, dass ich die ganze Nacht weg war und machte irgendeine Bemerkung, auf welche ich keine Antwort wusste. Dann ging ich schlafen.
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