Habe nun, ach,
wie angedeutet,
jenes
Buch gelesen, auf das ich
damals
gestossen war.
Vielversprechend, vielversprechend. Dass das Logbuch des Pytheas
am Anfang steht finde ich herrlich. Und was kann man zu einem Roman sagen,
der beginnt mit ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||| [3.Tag] [Cabo Palos], nämlich als Papyrus-Fragment? Das ist, mit würdiger Ironie, derart post-post-,
dass ich dem Autor schon aufgrund der ersten Seite auf die Schulter klopfen wollte.
Und der Rest des Logbuchs ist recht gelungen. Wer wollte sich damit aufhalten, dass er
seine Quellen gar sehr ausschlachtet, Ibn Fadlans Schiffsbegräbnis von der Wolga nach Island verlegt usw. - ist ja schliesslich Belletristik.
Aber dann. 'Hefte' zwei und drei. Er zieht die Register. Zwar etwas würdig distanziert, schelmisch in der Rolle eines Redaktors, als hätte er Postille a 'Il nome della rosa' verinnerlicht, aber, in your face,
Hpr, die Hieroglyphe des Werdens, ein Laut, den man mit dem Bild des Skarabäus malte, das Leben und dieser Käfer waren ein und dasselbe, er rollte seine Kugel voll Mist vor sich her, seine Welt aus Erde und Kot, und der Laut war eine Onomatopoeia der Existenz, ein aus der Kehle dringender Vokal, ein unhörbar dumpfes Stöhnen, das nichts und niemandem Ausdruck verlieh. Es war das Kratzen auf einem Stein, wenn man dagegenhieb und ausglitt, ein kaum merklicher Riss, ein Splitter, eine Wunde an der Hand, Fliegen, die vom Blut angezogen usw. usw.
Wie laut Klappentext eine Frau Toepfer in der 'Weltwoche' rezensiert haben soll,
In 'Finis Terrae' leuchtet das mediterrane Licht, tropft die Dämmerung über den Rand der Erde, singen die Vokale.
Das umreisst es eigentlich. Post-Jungliteratentum. Man bekommt das mulmige Gefühl, dass die Rezensentin selber ähnliche Elaborate im Ärmel hätte. Zu allem Überfluss hatte ich
bei amazon.de auch gleich das Engelbuch
bestellt. Dafür reicht allerdings, wenn ich als semi-anonymer Blogger so rotzig sein darf, die Rezension "Der Autor scheint ein Wixer zu sein".
Die 'Frankfurter Rundschau' soll, immer laut Klappentext, den Schrott in eine Reihe mit Eco und Nabokov gestellt haben.
Schrott und Eco? Verhalten sich wie
das Sternchen und die Megafetten
[nur der Name 'logorroe', ich vereck].
Man ist versucht, sich van anzuschliessen.
Finis Terrae
Gelehrten-Expeditionen.
1987 Berichte über Relikte einer Kentum-Sprache im Bangani, der Sprache
von Bangan, einer abgelegenen Region des Himalaya.
Eine linguistische Sensation. Dann 1996 (Indogermanische Forschungen 101) gnadenloses debunking durch eine Nachfolgeexpedition.
"the Kentum substrate words purportedly preserved in the language are now enshrouded in a veil of mystique known as `arshO'" -
"Our Bangani informants reported that it was Zollers habit to lavish alcohol on his informants" - "`bOrgO' [meaning (sheep's) tail, not as alleged `mountain' ...] had very quickly become the subject of ridicule and banter amongst the Bangani at Mori-Valti. People found it amusing to call a mountain a `bOrgO' and to talk of walking up a `bOrgO' and so forth"- "the question which remains [...] is whether Zoller has fallen prey to the wishful etymologizing of transcriptional errors or whether he has deliberately perpetrated a hoax upon the academic community. In other words, was the joke on Zoller, or was the joke on us? That is the `pOrkO' `Frage'."
-
"the linguistic equivalent of the Piltdown Man"
Die Reaktion des ersten Forschers auf diese Beobachtungen jedoch lässt einen
gutmütigen Scherz ausschliessen.
"van Driem will be remembered by the Banganis for his conspicuous taciturnity"
- " the Banganis have already started calling him "Shakuni" Sharma - a shady character in the Indian epic `Mahabharata'."
-
" Schmid [the editor of IF] broke his word. For reasons which are not difficult to picture he tried to skive the dispute and create difficulties for me from the very beginning."
Ein Gelehrtenstreit mehr. Das Schöne ist, dass Bücher hier nicht weiterhelfen. Wer die Wahrheit wissen will, muss ins ferne Bangan pilgern.
Wir Feministinnen.
Der ferne, rätselhafte Kontinent, vielbesungen, dunkel, voller Mysterien, voller Gefahr, und doch der einzige Ort möglicher Erlösung (da es daheim zu eng geworden ist, jede Berührung einen zum Platzen bringt), so wird er zum Ziel sagenhafter Expeditionen, die stets als Rückkehr zu den Wurzeln der eigenen Natur verstanden werden (da es daheim zu kompliziert geworden ist, jeder Fortschritt einen zur Verzweiflung bringt). Dann kommt man an und es ist alles ganz zauberhaft und total grauenvoll: hier gibt es zwar jede Menge unberührter, wilder Natur, aber man kriegt sie nicht zu fassen, es fehlen einem die Worte, sie sperrt sich, paßt nicht auf die Karte. Was fehlt, ist Struktur, hier und da müßten ein paar klare Linien gezogen werden usw... - hinterher liegt natürlich alles in Schutt und Asche.