Adelung blieb zwar ebenfalls auf dem Boden der Phonologie, fand dort jedoch Argumente, die für den fakultativen Gebrauch des Genitiv-Apostrophs sprachen. Er sah darin nämlich ein Zeichen, das Unkundigen bei fremden Eigennamen die richtige Wortbetonung anzeigen könnte: Aus Formen wie "Cato's" und "Amalia's" sei anders als bei "Catos", "Amalias" deutlich abzulesen, dass diese Wörter nicht auf der letzten Silbe zu betonen seien. Diese Argumentation, die also den Gebrauch des Genitiv-Apostrophs phonologisch sanktionierte, bezog sich zunächst allein auf die Eigennamen, die auf Vokal endeten. Die Stellungnahme von Adelung
führte allerdings dazu, dass der Gebrauch des Genitiv-Apostrophs im 19. Jahrhundert erheblich zunahm und auch auf alle Eigennamen, später sogar gelegentlich auf normale Appellativa ("zu Anfang Mai's" (A. W. Schlegel, Brief v. 17. 4. 1 802), "des Drama's" (Thomas Mann, Brief v. 19. 5. 1917), alles zit. nach Zimmermann 1983/ 1984: 421, 428) übertragen wurde. Der Gebrauch des Genitiv-Apostrophs im 19. Jahrhundert wurde flankiert von grammatischen Analysen des Apostrophs, die nicht mehr bloß phonographisch basiert waren. Grammatiker wie Heinrich Bauer und J. Ch. A. Heyse identifizierten im Genitiv-Apostroph nämlich die grammatische Funktion der Stammauszeichnung, die für den Leser von besonderem Nutzen sei: "[...] der Apostroph [...] will dem Leser andeuten, daß dieses s [...] nicht unmittelbar zum Worte selbst gehört." (H. Bauer [1833], zit. nach Zimmermann 1983/1984: 420).
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