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23.09.2002 19 06 bs #702
build your baby?s brain
Hat man es uns in den letzten Monaten nicht oft genug hören bzw. lesen lassen? ? Der gesamten Musikindustrie, insbesondere aber den fünf Global Players in diesem Geschäft, geht es schlecht und schlechter. Seit der CD-Brenner im Laptop die private Raubkopie leicht gemacht hat und selbst gesetztere Herrschaften nicht mehr davor zurückschrecken, sich ihre Bach-Suiten und Beethoven-Symphonien via mp3-Download vom Internet organisieren (und geschehe dies einzig um dergestalt ihrem Nachwuchs zu imponieren) leisten sich immer weniger Menschen die Produkte der Grossverteiler des Musiksektors. Wobei allerdings böse Zungen munkeln, v.a. in der Sparte ?klassische Musik? seien nicht CD-Brenner und Internet das Problem. Die Malaise sei einzig dem Umstand zuzuschreiben, dass sich die Plattenfirmen seit Auftauchen der CD jahrelang daran gesund gestossen hätten, den Sammlern ihren gesamten analogen Backkatalog an bewährten Klassikern als CD-Neureleases ein weiteres Mal zu verscherbeln. ? Eine Strategie die über kurz oder lang habe scheitern müssen, da auch der angefressenste Sammler irgendwann seine Regale bis oben gefüllt habe. Mittlerweile sei ebendieser Zustand eingetreten und bewirke die eingangs erwähnten sinkenden Verkaufszahlen.
Wie dem auch sei ? bestraft werden jedenfalls die Konsumenten. Mit marketinggerecht designten Reissbrett-Produktionen à la Britney Spears, willig verbreitet von PR-Sendern wie MTV oder DRS3. Oder - marketing-technisch noch raffinierter ? mit ?Bands? wie den No Angels oder den T.E.A.R.S.: Mediengerecht vermarktet wird nicht nur das Endprodukt, sondern der ganze Herstellungsprozess vom ersten Casting der Darsteller bis zur fertigen CD.
Wirlich originell ist hier die Strategie von Sony Classical. Mit ?build your baby?s brain? wird auf den Geldbeutel überambitionierter Eltern gezielt und gleichzeitig ? zwei Fliegen mit einer Klappe ? eine neue, zukunftsträchtige Käufergruppe erschlossen. Selten hat sich die Möglichkeit einer lebens-langen Kundenbindung so früh ergeben!
Keine neuen Wege beschreitet der Detailhandel, dem die geschwundene Kauflust der Konsumenten ebenfalls zu schaffen macht. Hier werden Umsatzeinbussen ganz profan durch Preiserhöhungen wettgemacht. So kostet eine Klassik-CD bei Musik Hug am Zürcher Limmatquai mittlerweile 39.00 Franken. Ohne Sarkasmus kann man hierzu vermerken, dass sich für die Konsumenten bei solchen Preisen eine Standleitung oder der Kauf eines CD-Brenners doch relativ schnell einmal lohnt.
www.buildyourbabysbrain.com

21.09.2002 13 57 bs #707
ONGAKU II

Luciano - live@weetamix (max.Ernst/CD02)
Luciano, bürgerlich Lucien Nicolet, der Genfer DJ und Produzent chilenischer Herkunft, kann bereits auf eine Reihe von Veröffentlichungen eigener Produktionen zurückblicken, (u.a. auf dem Frankfurter Label Perlon, sowie dem Zürcher Label Bruchstücke bzw. Mental Groove aus Genf) und hat sich mit seinen DJ-Gastspielen und Live-Auftritten mittlerweile auch ausserhalb seiner Heimatstadt einen Namen gemacht.
Demnächst erscheint nun eine volle CD mit einem Mitschnitt eines Live-Auftrittes von Luciano im Genfer Club Weetamix. Die darauf enthaltene Musik überzeugt als Tondokument einer Party wie ein gutes dj-set durch Aufbau und Abwechslungsreichtum, eignet sich aber auch bestens für das Hören zuhause im Wohnzimmer. Die CD bietet einen überraschenden Reichtum an musikalischen Farbtönen und hebt sich durch eine verhältnismässig anspruchsvolle, dichte Rhythmik von einem Grossteil der in den letzten Monaten erschienen - musikalisch oft eher etwas flach daher-kommenden - Produktionen im Bereich der elektronischen Tanzmusik ab. Mitunter ist die Musik witzig, manchmal von einem gewissen Pathos erfüllt leicht melancholisch, immer aber präsent, angriffig und energieladen. Ein Höhepunkt ist sicher das Stück ?arzier? mit seiner sich langsam aufbauenden, hymnenartigen Akkordeonmelodie, die auf den latein-
amerikanischen Backgound des Produzenten verweist - ein Element, dass in ähnlicher Weise schon bei Lucianos letzten beiden Veröffentlichungen auf Mental Groove zum Einsatz kam. Auf die ganze CD bezogen kann aus musikalischer Sicht der teilweise etwas zu exzessive Einsatz von Halleffekten und dubbigen Flächen kritisiert werden, die zwar Spannungsmomente und ?bögen erzeugen, die Musik jedoch zuweilen auch in etwas zu psychedelische Gefilde führen und beim Hörer mit der Zeit einen gewissen Sättigungseffekt bewirken.
?live@weetamix? von Luciano erscheint demnächst auf max.Ernst (genauer VÖ-Termin noch ausstehend), dem Label des Kölners Thomas Brinkmann, dem Guru des Minimal-Techno mit Kunstappeal, der dank seiner zahlreichen bisherigen Produktionen sowie seit kurzem auch einem Majordeal mittlerweile auch einem breiteren Publikum bekannt sein dürfte.
www.max-ernst.de
www.bruchstuecke.com
www.mentalgroove.ch

17.09.2002 19 11 eto #711
"Manchmal ertrage ich es nicht" - Flame absurd (fr.)

Hallo an alle ***-Fans. Ich bin 15 Jahre alt und erst seit einem Jahr Fan. Dafür aber total. Ich freue mich schon aufs nächste Konzert. Und ihr? Am liebsten mag ich *******. Woran das liegt weiß ich nicht. Gib es auch noch ***-Fans in meinem Alter? Man kann mir ja mal schreiben und sich über *** austauschen.....

Manchmal (Großstadtsyndrom)
Frau ***** wohnt zwar im Kreis 5, mit dem Drogenproblem ist sie aber mehr konfrontiert, als ihr lieb ist.

alles hetzt an mir vorbei
keiner sieht mich an, keiner lacht
versteinerte Gesichter, toter matter Blick
lebendige Leichen, keiner schaut zurück

Wieso?
*****: Früher mit dem Velo bin ich einfach an allem vorbeigedüst. Jetzt mit dem Kinderwagen im Schritttempo ist das etwas anderes. Ich werde eher angebettelt und kann nicht einfach schnell weg.

alles hetzt an mir vorbei
keiner sieht mich an, keiner lacht
alle hasten und treiben und machen soviel
doch auf diese Weise wird nichts vollbracht

Ich stehe auf, ziehe mir einen dicken Pullover über und verlasse meine Wohnung. Auf der Strasse treffe ich nur Gewaltbereitschaft an. Hallo Gewaltbereitschaft! sage ich mit säuerlichem Lächeln und füge eilig hinzu: Dich trifft man auch an jeder Ecke! Wo Gewaltbereitschaft ist, kann auch das Großstasdtsyndrom nicht weit sein, denke ich noch. Dann aber muss ich mich heftig bücken, weil eine E-Gitarre über mich hinweg saust..."Manchmal ertrage ich es nicht und bleibe lieber zuhause."

Zum Schluss noch der einzige Gutmensch

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