Zum Glück gute Laune
 
Ich stell mir den Arbeitstag eines DRS3 Moderatoren in etwa so vor: Drei Stunden vor Sendebeginn müssen sich die Ansager im hauseigenen Fitnessstudio einfinden. Dort wird gefittet. Dann gibt's ein extra gesundes, leichtes Frühstück. Dann ab zum hauseigenen Motivationstherapeuten: Zuerst eine kurze Meditation, dann eine halbe Stunde in den Spiegel kucken und sich anlächeln. Im Studio selber besteht ein Rosabrillentragobligatorium. Die Wände sind mit Palmen- und Sonnenuntergangsposter geschmückt, stets griffbereit eine Dose gefüllt mit Prozac.
Und dann wird gute Laune verbreitet. Da ein Witzchen, dort ein kleiner Scherz, und als Höhepunkt werden die absurdesten Gesetze der USA verlesen. Und nebenbei gibt's Musik: Zwischen From Sarah With Love und From Sarah With Love (Titel wird alle paar Wochen geändert) durchschnittlich zirka 12 noch seichtere Popsongs. Wäre ja alles noch knapp erträglich, wären da nicht diese Jingles: an Blödheit kaum zu überbieten, fallen sie das Publikum an, verbeissen sich im Ohr und richten im Hirn unwiederrufliche Schäden an. 1984....bessssser mit DRS3. DRS3, Radio zuhum Glück. Zuhum heulen ist das.
Man glaubt's kaum, aber DRS3 war mal gut. Dann konnte man was von Hörerschwund lesen und dass nun der Sender besser auf das Zielpublikum zugeschnitten werden müsse. Franziska Oliver, FM und weitere gingen, das Niveau sank bis auf den jetzigen Tiefpunkt. Einzig geblieben ist Düsi (aus London!!), der immer noch irgendwas über irgendwelche noch nie gehörte Bands (aus London!!) erzählt.
D. R. aus S. (Name geändert) ist eine der wenigen Moderatoren, die es geschafft haben, aus DRS3 auszusteigen. In einer Alphütte oberhalb von Vals (Ort geändert), wo sich D. R. derzeit erholt, hatte ich die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen.
entecker: Wie geht es ihnen im Moment?
Gut, eigentlich... (zögert) ... nun, es fällt mir schon noch ein wenig schwer, darüber zu sprechen.
entecker: Was war denn nach Ihrem Ausstieg das Schlimmste?
Nun ja, ich kam einfach nicht mehr von meiner guten Laune runter. Ich lachte nur noch, alles machte mir unglaublich viel Spass, die schlechten Seiten der Welt, und meine eigene dunkle Seite natürlich, nahm ich einfach nicht mehr wahr. Da hilft mir nun mein Therapeut.
entecker: Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, aus DRS3 auszusteigen? Wie haben Sie überhaupt gemerkt, dass ihnen das Hirn gewaschen wurde?
Das habe ich meiner Familie und meiner lieben Frau zu verdanken. Sowieso, ohne diesen Rückhalt wäre ich DRS3 hoffnungslos ausgeliefert gewesen. Vor allem meiner Frau bin ich unendlich dankbar, dass sie in dieser schweren Zeit meine gute Laune so tapfer ausgehalten hat. Auch heute habe ich noch des öfteren Rückfälle (lacht) Sehen Sie, jetzt zum Beispiel. (lacht wieder, laut) . Entschuldigen Sie mich, das ist zuviel. Wir müssen jetzt Schluss machen.