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22.03.2013 20 59 pet #2893
Trotz der Tatsache für einen Beruf, für einen Partner und das Leben ganz allgemein gradzustehen, haben die Menschen doch tatsächlich Träume die sie alle von dem entheben, was die Tauglichkeit verlangt. Im Grossen sind die Träume das, was im Kleinen die Zerstreuung ist. Fluchten in die Möglichkeit anders zu leben. Auf der Autobahn des gelangweilten Lebens sind die Träume Geisterfahrer, deren Kollisionen die Korrekten in ihre Karrosserien klemmen, ausgeblutet und zerquetscht zurücklassen und in Flammen aufgehen lassen. Träume sind ihrem Wesen nach flüchtig, fiebrig und unfertig. Auf der Suche nach deren Verwirklichung sterben die älteren einen natürlichen Tod. So wie der Traum vorheriger Nacht vergessen wird, so stirbt mit dem neuen Traum das Elend, nie zu wissen, ob die Wahrheit und Schönheit des Augenblicks anhalten wird. Der Traum im Wachzustand ist eine Illusion der Vollkommenheit, der zu seiner Ganzheit steht wie das Sandkorn zur Wüste. Dass die Wüste wächst, vermag kein Mensch zu bezweifeln. Ein Traum ist die unvollkommene Antwort auf das Einzelne im Untergang. Er ist Anker im Meer der Rationalität. Obwohl als irrational verhöhnt, fordert er von der Realität das, wofür diese kein Verständnis aufbringt. Im Widerspruch zwischen Wirklichkeit und Traum sieht der Mensch sich verloren. Ein Verlust, der sich Scheitern nennt. Wo sind sie, die schönen und hässlichen Menschen, die dem Traum Realitäten abringen? Sie leben vielleicht unter uns und machen kein Aufhebens. Der Raum des Menschen schrumpft in dieser Welt auf die Grösse eines Sandkorns und ist im Begriff, durch Stereotypen ersetzt zu werden. Verhalten und Haltung sind austauschbar. Der Kern des Menschen ist formbar. Die Wirklichkeit in der er lebt ebenso. Das Sperrige des Traumes verlässt den Körper und geht über in eine sonderbare Warenwelt, die einem gewöhnlichen Fick mit der Realität gleichkommt. Sie sind verrufen, die Träume und sie haben es auf die Seele abgesehen. Komisch nur, dass in der Fiebrigkeit allerlei seltsamen Flüche sich vereinen gegen die Unwirtlichkeit der illusionslosen Fetische. Geschärft mit der geruchsfreien Amoralität, verhöhnen die Resignierten den Traum als Schaum. Bis sich die aufgestauten Träume in faschistische Rettungsphantasien entladen.

25.01.2013 23 58 mo #2892
feu.jpg

25.01.2013 11 08 JJ #2891
Affig.

Noch dümmer als eine Winterdepression ist es, solcherart ausgebildet und entwickelt zu sein, sich davor bewahren zu können, die Anzeichen erkennend und Gegenmassnahmen ergreifend. Man sitzt dann genau da in der Falle, zwischen Lichtkur und Vitaminpräparaten, Missbräuchen von Hundespaziergängen und einer Art dämlichen Stolzes, noch nicht zur Flasche gegriffen zu haben. Man wehrt sich gegen Süsswarenverzehr und beschneidet sich die Fersehstunden. Man tut so, als würde man lesen. Bei allen möglichen Abschweifungen ist der Haushalt gemacht, nichts ist mehr zu tun, die Aussentemperatur liegt im Minus, so dass man sich auf dem Strasseneis keinen Hüftbruch holen möchte. Man schaut "gut" zu sich, als wäre es Leben, wenn man sich vor ihm zu bewahren vermag.

Der Absturz ist gesellschaftlich nicht drin. Die Kunden würden sowas krumm nehmen. Sie kommen, um sich wieder ins Leben stellen zu können und nun schliddert der honorierte Begleiter in seelische Schieflage? Das geht nicht. Dabei kann niemand im Winter fliehen. Die Tage sind düster, die Kälte macht alles schwer. Allein dieses ewige An- und Ausziehen. Rein in die Kleider, raus aus den Kleidern. Schuhwerk zum Wandern, Nässe und beschlagene Brillengläser. Es friert einem latent und der Körper ist angehalten, genügend Energie zu produzieren, ob morgens auf dem Arbeitsweg oder abends im Wohnzimmer. Draussen scheint kein Sonnenstrahl, draussen herrscht ein Grau. Nordwind lässt einem das Gesicht erstarren. Bei Minusgraden mag man nicht einmal etwas Tabak rauchen. So ist es erneut kurz nach neun Uhr morgens, nichts ist zu tun, der Himmel bietet keine Fluchtmöglichkeit, die Jahreszeit auch nicht. Und so erhalte ich mich nah dran am Absturz in einer Form, die dem depressiven Gefangensein nicht viel unähnlicher scheint und halte mich, nicht minder peinlich, vor der Scham, die Haltung zu verlieren. Wie lächerlich. Vielleicht sollte ich einen Strauss Tulpen kaufen.

Jona Jakob, Jan 2013

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