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20.02.2002 02 53 van #293
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......

19.02.2002 23 42 lb #291
Ich schreibe, was ich denke. Ich denke nach, dann schreibe ich. Was ich nicht denke, schreibe ich auch nicht. Was ich nicht schreibe, kann ich trotzdem gedacht haben. Ich merke was ich gedacht hab, wenn ich lese, was ich geschrieben hab. Oder auch nicht. Ich greife nicht zum Griffel, aber in die Tastatur. Ich versuche nicht, die Realität zu beschreiben. Ich versuche, die Realität zu erfassen. Dann zu verzerren, verfälschen, verknappen, verschönern. Reduzieren. Ich versuche nicht, Gedichte zu schreiben. Ich versuche zu unterhalten. Ich schreibe nicht, um mir zu helfen. Aber ich denke, um mich zu retten. Ich kann nicht nicht denken. Aber ich kann nicht schreiben. Und ich kann nichts sagen. Und ich kann schweigen. Schweigen bedeutet, dass man nichts sagt. Nicht, dass man nicht redet, denn man kann reden und doch nichts sagen. Etwas kann mir etwas sagen. Oder auch nicht. Ich kann mir etwas einreden, ohne etwas zu sagen. Aber nicht ohne etwas zu denken. Oft kann ich mitreden ohne denken zu müssen. Nicht-Denkbares kann man nicht sagen. Nicht-Sagbares kann man denken oder auch nicht, sicher aber nicht sagen. Sichtbar zu machen, dass es etwas gibt, das man denken, nicht aber sagen oder sichtbar machen kann:Das ist die Darstellung von künstlerischem Versagen. Denn: Man kann etwas denken, das man nicht sagen kann aber man kann nichts denken, das man nicht auch sagen könnte.

19.02.2002 23 24 cri #290
gibt es etwas mühsameres, als ein dickes, französisches buch von balzac zu lesen, von dessen wortschatz man etwa jedes zehnte mot kennt? warum hat der typ nicht deutsch geschrieben? konnte er das nicht?

"un cartel en écaille incrustée de cuivre; un poe[mit hausdach auf dem e, kann ich auf meiner tastatur aber nicht finden]le vert, des quinquets d'argand ou[mit grave] la poussière se combine avec l'huile, une longue table couverte en toile cirée assez grasse pour qu'un facétieux externe y écrive son nom en se servant de son doigt comme de style, des chaises estropiées, de petits paillassons piteux en sparterie qui se déroule toujours[endlich wieder mal ein wort, das ich kenne] sans se perdre jamais, puis des chaufferettes misérables à trous cassés, à charnières défaites, dont le bois se carbonise." undsoweiter

aber irgendwie bin ich schon recht stolz auf dieses buch. neulich hat mich jemand im tram gefragt, was ich denn gerade so lese und ich habe dann geantwortet: "honoré de balzac, le père goriot, auf französisch". mein selbstbewusstsein explodierte, während ich diesen jemand mit überlegen funkelnden augen ansah, die von intellektueller geilheit nur so strotzten.
leider funktioniert das so bei meiner französisch-lehrerin nicht. die kennt den wortschatz von balzac und leider auch meinen französischen.

19.02.2002 20 11 nik #289
Selbstversuch 1: Ich missbrauch mal unser kleines aber hübsches FORUM um meine Schreibblockade zu lösen. Schreibschokolade. Es soll ja Zeitgenossen geben, die denken zuerst nach; so ca. fünf Minuten volle Konzentration, dann greifen sie zum Griffel (Griffel, haha) und schreiben den Satz nieder, den sie im Sinn hatten. Zackbum, gemeisselt. Schriebe man heute noch wie die Römer damals in Stein, dann wären es genau diese Sätze, welche von den Archäologen ausgegraben und mit akademischem Fleiss versehen würden. Doch es sind Sätze der -na?- ja, genau, der LANGEWEILE. Sprache ist wie ein Risotto; sie gelingt nur bei ständigem Umrühren! (Was für ein putziges Bild, das mir da gelungen ist).
Ach, nein schon wieder... Ich sing: "Ich nehm' ein Vo-ollba-ad mit Hildega-ard!"

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