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19.02.2002 18 42 pet #287
"Auch das, was ich eigentlich sagen will, fällt mir gelegentlich gerade dann nicht ein, wenn ich danach suche; ich finde es eher durch zufälliges Daraufstossen als durch angestrengtes Grübeln. Da habe ich vielleicht einmal einen recht scharfsinnigen Gedanken eilig hingeschrieben ... dann habe ich den Faden so vollständig verloren, dass ich nicht mehr weiss, was ich sagen wollte; und manchmal hat das ein Aussenstehender eher herausbekommen als ich. Wollte ich alle Stellen, bei denen mir das passiert, wegradieren, so würde nicht viel übrigbleiben; durch reinen Zufall wird mir ein andermal der gemeinte Sinn plötzlich klar wie der helle Tag: und dann wundere ich mich über meine früheren Hemmungen."

Michel de Montaigne, Vom raschen und zögernden Sprechen, Die Essais

19.02.2002 18 22 pet #286
How to become happy by vacuum cleaning your soul on a nonmusical keyboard(Step 1)

Ich denke, es gibt Tage, an denen sollten alle Sprechorgane ruhen. Ich denke, Sprechen ist überflüssig. Ich denke, Schreien und Sprechen sind Möglichkeiten derselben Ausdrucksform. Ich denke, Singen ist die ideale Verbindung. Ich denke, Schweigen ist unangenehm. Ich denke, ich kann nicht mehr denken. Ich schreibe deshalb nur noch auf, was ich nicht mehr denken kann. Ich fühle nur noch das was ich nicht erfahren kann, ich träume nur noch das was ich nicht pflaumen kann. Pflaumen, frische Pflaumen, fermentierte Pflaumen - Schnaps. Wummernde Alpträume von Sätzen, die ich noch schreiben könnte. Ich verschlief die Zeiten in denen alles früher Gesagte von neuem gesagt wird. Ich schreibe nicht über das was ich sehe, was ich denke, was ich verstehe. Ich sitze an einem Tisch und versuche warme Finger zu bekommen.

19.02.2002 13 18 nik #285
dem Entecker-Design auf die Sprünge geholfen...
Dank an den Schockwellenreiter

19.02.2002 11 29 bse #284
Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht. Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht. Sie...
Man sollte dazu Kleeblätter verwenden.

19.02.2002 11 17 nik #280
zuerich-airport1252226.jpeg
Denkwürdige Bilder von halben Flugzeugen 1/4

18.02.2002 23 32 eto #279
Modern nenne ich die Kunst, die ihre "kleine Technik", wie Diderot sagen würde, darauf verwandte zu zeigen, dass es ein Nicht-Darstellbares gibt. Sichtbar zu machen, dass es etwas gibt, das man denken, nicht aber sehen oder sichtbar machen kann: das ist der Einsatz der modernen Malerei.

Jean-François Lyotard, Beantwortung der Frage: Was ist Postmodern?

18.02.2002 21 50 bse #278
Im Zug (II)

Weisse Lichtstreifen spiegeln sich auf schwarzem Glas. Schwarzes Glas? Nein, Glas vor schwarzer Nacht.
Die Dörfer, die vorbeiziehen sehen aus wie Glühwürmschenschwärme oder Plankton im südchinesischen Meer bei Nacht; aufflackernd hinter Bäumen, Hügeln, Starkstrommasten. Ziehen die Dörfer vorbei?
Der Zug zieht an ihnen vorbei, gezogen von der Sehnsucht anderer Dörfer, Städte nach Mobilität. Die Dorflichter, Autobahnbeleuchtungen und Werbetafeln sind statisch, bewegt einzig durch die Eigenbewegung.
Unablässiges Mobiltelefongeklingel lässt den Geist nie zu tief versinken in die ins Schwarz getauchte Lichterlandschaft.
Ein Kind schreit und trotzt; Ägyptisch? Sein Vater telefoniert im Fünf-Minuten-Takt, und immer wieder Kairo. Sonst versteh ich nichts. Die Laute tönen wie rückwärts abgespielt. Was will er wohl in Kairo?
Aus der Toilette tönt der Föhn und spielt für drei Sekunden zusammen mit dem in entgegengesetzter Richtung vorbeidüsenden Zug ein Duett. Nur Rhythmus, keine Harmonie. Ein auf Bach eingestelltes Handy setzt ein, und die Pneumatik der automatischen Türe bildet die Coda. Eine schöne Komposition.
Zürich naht. Aus den Glühwürmchenschwärme werden Heere. Höngg glitzert und die grünen Autobahntafeln sehen aus wie Notausgangschilder.
"Meine Damen und Herren, wir treffen in Zürich Hauptbahnhof ein, Endstation". Das Zugteam verabschiedet sich und wünscht mir eine schöne Weiterfahrt.
Ich bleib noch eine Weile sitzen. Die weissen Lichterstreifen, die übrigens gespiegelt weisser aussehen als unreflektiert, erlischen.
Es wird Zeit auszusteigen.

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