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07.12.2007 03 12 JJ #2661
Schoppenhauer im Text: (...) ebenso wenig ein Mensch von seinem Stuhle aufstehen kann, ehe ein Motiv ihn weg zieht oder treibt: dann aber ist sein Aufstehen so nothwendig und unausbleiblich, wie das Rollen der Kugel nach dem Stoss. (...)

Das "Motiv", entstehend aus einem gefühlten Empfinden an Mangel, unmittelbar im Jetzt, oft unbedacht, doch dann nicht minder heftig ... mir schien dies zu beschreiben, worauf du den Blick zu richten scheinst.

Das kausale Geschehen danach zu erklären, ist tatsächlich wenig dessen, was Leben ist. Ausser...

... wenn man doch ganz und gar zuhört, dann bestimmt zwar der Redende über mich, den Zuhörenden, trotzdem: ich erlebe dann möglicherweise auch nächst einen Teil des Lebens des Redenden. Das kann dann per 'Mitgehen' ein Verstehen werden - und ich, ich erlebe dann zwei Leben, seins und meins. Dazu jedoch, muss ich meine Vorurteile und meine Theorien weglassen.

Es handelt sich dann dabei auch nicht um philosophische Esoterik, sondern um Kommunikation. (Siehe Watzlawick / Rogers / Tausch / Schulz von Thun / Cariamicoli / Torralba).

Was soll es nun nicht ebenso langweilig sein, Textvolumen zu lesen, wenn die Fülle des letzten Beitrages in Aichingers Satz vom "Positionen deuten (...)", nämlich einfühlen, bereits ausgedrückt war? Könnte es sein, dass darauf hin losgetretenes Geschrei(be) blos ein Erklären ist, leblos, vielleicht Wunden leckend, Hunden gleich, zynischen? Ich bitte ebenso um Verständnis.

06.12.2007 21 05 run #2660
Liebe Leser, werter JJ, vergessen Sie die Theorie.

Warum 'Goodbye Schopenhauer'?

Weil das faktische Sein ein nicht-theoretisches "Sehen" beinhaltet. Es ist Begegnung, kein gegenüber-stellen, keine Objekt-Subjekt Beziehung, nichts dergleichen. Ein mitgehen. Seien Sie gewarnt. Falls Ihr "Sehen" unvermittelt einsetzt. Was Sie da sehen, wenn Sie sehen, dass was es ist, wird durch die Weise wie es ist bestimmt. Es wird Sie vielleicht irritieren. Aber das worin die Begegnung begegnet , es ist es schon immer, auch wenn Sie es vorher nicht wussten. Sie sehen ein Phänomen und das so lange als wie sie sich keiner Theoretisierung hingeben. Halten Sie die Klappe und achten Sie was passiert wenn ... zugelassen wird und ich meine freilich nicht bloss menschliche Begegnungen. In der Sphäre des vortheoretischen, des nicht vorgestellten Seins. Des es /ist/. In Der Welt. Nehmen Sie meinetwegen das Phänomen der Liebe. Wie können Sie jemals sicher sein, dass es sich um Liebe handelt bei dem was sie als solches kategorisieren? Sie bewegen sich in Vorstellungen. Liebe ist... dieses oder jenes, wie im Ärzteroman, man weiss es nicht aber man hat so sein Vorstellungen. Diese Vorstellung verstellt zuverlässig den Weg zum Phänomen, zu dem was es /an sich/ ist. Dieses an sich sein des Phänomens kann allenfalls gedeutet werden. Es ist wie... aber die Worte bleiben ehrlicherweise aus. Erst von der Tribüne der grauen Theorie spricht man darüber, psychologisiert etc. und verabschiedet sich aus der Begegnung aus dem faktischen. Die Wiedergeburt des animale rational, Objekt-Subjekt. So gesehen JJ sind wir alle etwas Sau und Hund und Affe. Eben rationale, theoretisierende und technologisch hochgerüstete Affen. Und Schopenhauer? Nun ja, er sprach vor allem von Affen für /...hier wird die Sendung aus Pietätsgründen unterbrochen. Wir bitten um Ihr Verständnis.


06.12.2007 04 00 JJ #2659
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05.12.2007 23 41 JJ #2658
run, ich hab's mit Interesse gelesen.
Die drei Textabschnitte scheinen die Theorie gleich zu belegen.
Bin ich nun ein Sau-Hund?
---
Van, wo also das 'Jetzt' ist, ohne eine Spur 'Gestern', wüsste ich nicht. 'Jetzt' ist über das Thema 'Zeit' kaum zu erklären. In welche Richtung also einen Schritt tun, kommend aus Ver-gangenem, im Jetzt, in die Zukunft ... puhh? Versuch den nächsten Schritt einfach nicht auf Mo's Plattform für weitere Horizonte.

05.12.2007 20 59 run #2657
Von Schopenhauer soll die Rede sein? Nun denn, werfe er den Hunden diesen erigierten Beitrag zum Frass vor. Es interessiert ja doch keine Sau.

Goodbye Schopenhauer

Erinnerung täuscht. Und bzw. aber wie? In ihrem Gehalt für die Gegenwart und wofür sonst sollte sie von Gewicht sein? Die Erinnerung als Erinnerung an das Erinnerte ist für sich nicht viel mehr als eine wieder-geholte Vergangenheit, verklärt, verdüstert, wie auch immer. Es ist kaum mehr als eine Vorstellung von vergangenem, die an Stelle des faktischen gesetzt wird. Anders, das Erleben des Heute, des jetzigen wird mit gestrigem übertüncht. Doch gerade von Erinnerungen verabschieden wir uns manchmal schwer. Wir bewahren sie auf wie ein Goldschätzchen oder verabscheuen sie wie die Pest. Das Resultat ist mithin das Gleiche. Die Erinnerung, sie scheint haften zu bleiben, färbt das Gegenwärtige ein. Diesen Schleier vermögen wir wenn überhaupt, nur selten zu zerreissen. Wir wollen ihn möglicherweise auch gar nicht zerreissen, wir fürchten diese Zerrissenheit, denn an Stelle der Erinnerung tritt dann die Ernüchterung, eine leere Stelle. Eine Ungültigkeit die Erinnerung nicht bloss negiert, mehr noch an die Stelle des negierten, ungültig gewordenen /nichts/ setzt. Die Ernüchterung besteht in diesem erkennen des verlassens-seins von vorgestellter Vergangenheit, damit im erkennen der bisherigen oder auch nur temporalen Verkennung des faktischen.
Die Erinnerung erkaltet und lässt dieses Erkalten spüren. Als Kälte, als Leere, möglicherweise dann auch als Erleichterung. Erinnerung täuscht. Man ahnt vielleicht das Ausmass dieser Feststellung. Die Erinnerung ist ohne Eigenleben. Angesichts des nach-vollzogenen Erlebens, stellt sich diese oftmals als ungemütlich wahrgenommene Ernüchterung ein. Es ist nichts, als eine Erinnerung. Nichts als Vergangenheit, heisst überhaupt nur durch unser phantasieren am "Leben" gehalten. Es muss ebenso gesagt sein, dass wir unser geschichtliches Selbst nur durch die Vergangenheit definieren. Das heisst, dass diese Vorstellung die sich an der Erinnerung festmacht, nicht mehr oder weniger ist, als die geschichtlich orientierte Anlehnung einer Selbsterinnerung und an sich nichts faktisches enthält, sondern bestenfalls eine Bezüglichkeit. Das einzige Faktum diesbezüglich besteht in dem Umstand, dass diese Geschichte als Geschichte einmal stattfand, heisst erlebt /wurde/. Mehr ist es nicht. In die Gegenwart übertragen, in Verkennung ihrer bloss historischen Bezüglichkeit, muss die vorgestellte Vergangenheit täuschen. Die Ent-täuschung fusst im vorgestellten. In die Zukunft extrapoliert heisst die Vorstellung Erwartung. Dabei ist hier mit Erwartung nicht die berechtigte Erwartung einer Vereinbarung gemeint, sondern die Erwartung der Erfüllung eines vorgestellten. Die Erwartung ist die Forderung an die Faktizität, der Wunschvorstellung entsprechend zu geschehen. Sie verstellt so den Zugang zu dem Geschehen als geschehendes, so wie es an sich /ist/. In gleicher Weise nur rückwärtsorientiert verstellt die der reinen Geschichtlichkeit beraubte Erinnerung diesen Zugang zum jetzigen (faktischen) sein.
Wenn Erinnerung bestimmend ist für unser gegenwärtiges sein, dann befinden wir uns in einer Welt des vorgestellten und diesem vorgestellten stellen wir nach, ob wir das nun wahrhaben wollen oder nicht. Die Welt des faktischen wird durch diesen bezeichnenden Umstand verstellt. Wir sind wo auch immer, jedoch nicht /in Der Welt/.

Geschrieben mit dem Recht des Gelangweilten.
run



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