09.11.2007 20 29 JJ #2640
Und wenn wir es nötig haben, an etwas zu glauben,
das größer ist als wir,
das uns voranzieht,
und in dem man sich zugleich ausruhen kann,
wenn wir ein absolut nicht quantifizierbares Glück benötigen,
eine innere Kraft, die in uns keimt
und sich nicht um Unvorhersehbares schert,
die sich in uns entwickelt
und unserem Dasein einen unveräußerlichen Wert verleiht,
einen Nutzen und einen Sinn,
wenn wir es zugleich auch nötig haben,
uns schuldig zu fühlen, gedemütigt und unglücklich,
weil wir nicht mehr sind, als wir sind,
.. wenn wir wirklich das alles brauchen,
um uns als Menschen zu fühlen, was sollen wir tun?
Es ist Zeit, lockerzulassen - Il est temps de lâcher prise.
Michel Houellebecq
07.11.2007 23 51 JJ #2639
 St. Peter-Ording. Von Einzelzimmer 2513.
07.11.2007 18 40 mo #2638

Du läufst durch die Strassen eines grauen, finsteren Viertels dieser Stadt, nicht wissend, was Du (und ob überhaupt) suchst.
Menschen hasten an Dir vorbei und sehen durch Dich hindurch, wie Du an ihnen vorbei hastest und durch sie hindurch siehst. Wenn Du stehen bleibst, nimmst Du Fleischköpfe in ihrer Alltags-Uniform wahr, die sich ihre kalten, arbeitslosen Stiefel vertreten, guckst genauso wenig weg, wie sie Dich Fremdkörper anstarren. An den Laternenmasten und Ruinen kleben Botschaften der Randgestalten dieser Stadt. Ob sie ausser Dir noch irgendwer bemerkt, fragst Du Dich und hältst den geklebten Buchstabenmüll mit der Kamera fest. Registrierst jeden noch so winzigen Dreck um Dich herum, atmest kleine eisige Nebel aus. Wirkst dabei hilflos wie die achtlos weggeworfenen Pfandflaschen in wahllosen Hinterhof-Ecken, die auf ihre Sammler warten. Kleine, heftig umkämpfte Zubrote der Strasse.
Du läufst weiter. Immerzu. Planlos hinaus aus diesem Teil der Stadt.
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