07.10.2007 00 42 JJ #2627
Plus ultra! .. - wird in Spanische Flaggen gestickt. Ein Potential, aus irgend einem unerklärlichen Grund weiter zu machen ...
04.10.2007 23 22 van #2625
Heute bezeichnete ich in einem Board, das vor allem von Deutschen gelesen und beschrieben wird, jemanden als "Weichen". Erst jetzt kam mir in den Sinn, dass dies im Hochdeutschen vielleicht kein allgemein gegenwärtiger Ausdruck ist. Dankbarkeit für die gegebene Sprache. Wie tut das wohl: än wäichä. Abschied von allem guten Willen und Verständnis. Än wäichä.
23.09.2007 12 46 JJ #2624
"Ihr holden Schwäne ...
So fuhr er hoch, ein Stück Strasse noch, auch wenn ihn ein Signal davon abhalten sollte, doch es gab da ein Lokal ein Stück weiter, und bis dort durfte er hoch fahren. Vor der Mittagszeit zu liegen ermöglichte eine reiche Wahl an Parkplätzen und eine noch leere Terrasse an jenem kaltfrischen ersten Tag des Herbstes, als er sich vor diesen Blick über die Stadt an frischer Luft an den Tisch setzte.
Obwohl in ein Gespräch vertieft und zuhörend empfand er wenig für diesen Blick auf die Stadt. Er sah den See, das Zentrum und Teile der ehemaligen Industriequartiere, in denen sich nun Internetmenschen das Leben teilten. Gegenüber die Technische Hochschule, der Berg mit dem Zoo und etwas weiter links davon jener Sattel, über den man zu weiteren Aussenquartieren gelangte und zum Flughafen.
Er fuhr seine Strecken wie ein geübter Taxifahrer. Er lebte in dieser Stadt wie Strom, der an bewussten Stellen einen Impuls auslöste. Diese sich wohl präsentierende und eigentlich sich frisch haltende Massierung an See, Fluss, Strassen und Häusern, an Geschäften, Unternehmen, Lokalen und Plätzen, welche sich zum Seeende hin über die Jahre etabliert und vergrössert hatte, welche wuchs und seit Jahren für weite Regionen zum verschlingenden Magneten gleich einem schwarzen Loch geworden war, spürte er wenig. Wenig Empfinden noch für diese Stadt, auf die er gerade hinab sah. Sie war wie ein voller Arbeitstisch, den er brauchte, doch ein Wohnzimmer war sie ihm nicht. Jedenfalls jetzt gerade nicht, da er die Mitte seines Lebens passierte.
Als Kind lernte er Flecken kennen, die wild waren und es auch weit blieben. Orte, an die man nur schwer gelangte und zu denen es damals noch keine Autobahnen und Telefonantennen gab. Die Wege zu diesen Orten hatten kaum Namen, waren in Karten nicht eingetragen und wenn man ihre Wege nicht regelmässig passierte, überwuchs Dorngebüsch ihre Spuren. Alte Steine formten Ansätze von Mauern und Umrandungen, grosse Bäume reichten als Signale. Doch wo er gerade sass, da war alles erreichbar und nichts mehr geheim. Als er die Gesprächspartnerin später zu ihrem nächsten Termin entliess, verlor er keinen Satz und keine Nachfrage nach ihren Wegen, hatte sie doch eine digitale Strassenkarte die ihr das Links und Rechts des besten Weges sprechend an Ohr und Augen brachte. Dabei war sie morgens in Deutschland gestartet, war hier nicht heimisch und hatte noch viel Weg vor sich. Doch alles war erreichbar, digital geführt unter einem unsichtbaren Netz von Satelliten- und Mobiltelefonquadranten, Sektoren der Kontrolle und der Führung.
Der See lag genau so unter Kontrolle von Uferzugang, Eigentum und Reglementierung, wie beider Seiten die Hügel und der Stadtberg. Gepachtet, zugängig, gastronomisiert und mit Events marketingmässig aufgedrängt. Diese Stadt mit ihrem Netz war eine grosse Modelleisenbahn geworden, in der er kaum mehr echte Lebensmittel für ein Auskommen fand. Das Fliegen sollte geräuschlos werden, das Mobile sollte ohne Emission bleiben, das Interaktive sollte einem Nutzen dienen und das Zeitverstreichende dem volkswirtschaftlichen Geldkreislauf. Abenteuer? Wildnis? Unbekanntes? Das gab es nicht mehr. Letzte Gassen waren historisch erfasst, selbst in Aussenquartieren wurden geführte Rundgänge angeboten, gewisse davon geschlechterspezifisch getrennt, weil frau genau wusste, was mit dem Trennen erreicht werden sollte. Man/Frau wusste ohnehin irgendwie alles.
Und darauf blickte er, mittags, von dieser Terrasse, über dieser Fläche kontrolliertem Seins. Eine Kampfzone? Wie lächerlich doch, einzig sich darum zu bemühen, unter einer Haube von Erreichbarkeit so zu tun, als hätte man noch Aufgaben. Die Kontrollen zwangen zum Erreichbaren, konkret wie moralisch. Man wurde geschupst, sich zu bewegen und sei es vom Ablaufen der Parkkarte her. Doch Wildheit, Unbekanntheit, Versteck und Alleinsein ... das gab es nicht mehr an diesem vielleicht interaktivstem Flecken einer auf Trab gehaltenen Massierung. Es war eine toll-bunte Tüte ... ihn aber plagte, dass sie keinen Inhalt mehr zu entdecken bot. Vielleicht der Umstand ersten Grades, auf die Wünsche und Hoffnungen aus dem Gespräch keine eigene inneren Antworten zu haben, die ein innerliches Aufbrechen gelockt hätten. Was zum Aufbruch bewegte, war ein Termin - die beiden Menschen einzig kleinmachend, in seinem Zwang und verhindernd, einem weitgehend verhindernd.
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser."
Hölderlin
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