08.04.2007 21 26 JJ #2581
Die Menschen müssen die Wette halten, dass es ihnen gelingt, angesichts des Leichentuchs, das sich über alles Äussere breitet, ihre Beziehungen zueinander in einem künstlich zu schaffenden Innenraum so ernst zu nehmen, als existierten keine äussere Tatsachen. Die Paare, die Kommunen, die Chöre, die Teams, die Völker und Kirchen, sie versuchen sich ohne Ausnahme in fragilen Raumschöpfungen gegen den Vorrang der weissen Hölle. Nur in solchen sich selbst erzeugenden Gefässen wird wirklich, was das verwelkte Wort Solidarität in seiner radikalsten Sinnschicht meint: Die Lebenskünste der Moderne zielen darauf, Nicht-Gleichgültiges im Gleichgültigen zu errichten. Das stellt das Projizieren und Erfinden angesichst einer geographisch erschöpften Welt in unerschöpfliche Horizonte.
Vielleicht wird es die "freien Völker" - von denen das 19. Jahrhundert redete, ohne zu begreifen, dass es damit den modernisierten Obsessionskollektiven, den opferfordernden Vaterländern, zur Entstehung verhalf - überhaupt erst geben als Assoziationen von Menschen, die sich angesichts einer real universalisierten Gleichgültigkeit auf eine bisher noch nie gesehene, nur von Ekklesien und Akademien vage antizipierte Weise neu verbünden. - P. Sloterdijk
05.04.2007 03 05 JJ #2579
Platz 3: "Wo gibts das als Fototapete?"
Platz 2: "Wo gehts lang zur nächsten Flatrate-Party?
Platz 1: "Jetzt bei Fleurop, Nr. O-2007_4 für Fr. 67.50"
05.04.2007 02 48 JJ #2578
 Gitone aus Fellinis Satyricon
Einer der Gründe, weshalb zu Louis XIV Zeiten, im katholischen Europa, der Biber beinahe ausgestorben war, ist eine kirchliche Regelung, für die adligen Fischverächter, zu Karfreitag, den Biber als Fischart zu erklären. Man ass seinen Schwanzmuskel.
Frohe Ostern.
04.04.2007 21 55 run #2577
Die Tragödie des Teddybärs.
02.04.2007 09 03 JJ #2576
Was ärgert einen Lotsen?
Dass er Bescheid weiss.
29.03.2007 17 19 JJ #2575
 Cowboys + Indianer von Sissa M.
Kann es sein, dass der steigende Hang zum Tier Symptom einer Ablehnung oder zumindest Erschöpfungserscheinung aus der Erfahrung mit Mitmenschen ist?
Das uns nicht erwidernde Tier, in seiner Schweigsamkeit als duldend, schauend, hörend und annehmend erlebend, wie kaum ein Mensch dazu noch in der Lage ist?
(Siehe gleich hier: meine Motive + Kommentar + Internet = wenig annehmende Demut. Eigentlich.)
Daraus also vielleicht auf einmal das 'Reine', das 'Vollkommene' sich einbildend?
Und daraus substitutär für das stehend, was in der Weise früher galt, nämlich die Annahme Gottes?
Kann es sein, dass unsere darwinistische, technokratische, materielle Hyperwetttbewerb-Erfahrung seit der Milleniumwende uns einen Glauben an Gott innerlich als auch äusserlich schier verunmöglicht und wir daher Neigungen entwickeln, ein Zwischending von demütiger Reinheit als Ersatz zu wählen, nämlich das Tier, das junge, gefangene, beherrschbare?
Sind wir Menschen als 'unvollkommene Tiere', nun langsam fähig, das als Erkenntnis vor uns selbst einzugestehen?
Oder glauben wir sogar, der eigenen Gottwerdung näher gekommen zu sein, so dass wir wenigstens schon mal das beherrschabare Tier mögen könnten?
Mögen wir also, was wir beherrschen?
Ist es das, was wir dann 'Liebe' nennen?
Ist es, was uns an eigener Knuddligkeit abgeht?
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