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24.10.2006 23 58 nik #2420
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24.10.2006 18 43 nik #2419
city4.JPG.jpg

Hallenbad City

14.30 betrete ich das Hallenbad an der Sihlstrasse. In einer Volksabstimmung im Jahre 1938 wurde beschlossen, ein Hallenbad mit ausschliesslich öffentlichen Mitteln zu errichten. Der Eintritt kostet 6 Sfr.- und für die Spinde braucht man einen Fünfliber, damit man sie schliessen kann. Da ich meist keinen Fünfliber dabei habe, lege ich jeweils eine Zehnernote und zusätzlich einen Franken hin. Eine kleine Frau im gelben Uniformshirt mit ihrem Solariumteint reicht mir das Ticket und ich bedanke mich. Während der Kriegsjahre wurde also das Hallenbad City unter der Leitung des Stadtbaumeister Herter gebaut. Mit kleinen Verzögerungen wegen Baumaterialienknappheit wurde es 1941 eröffnet. Ich weiss nicht, was von der Architektur zu halten ist. Zumindest funktioniert sie und man läuft nicht gefahr, sich in vom Tageslicht unbehelligten Gängen zu verirren. Spind auf, Kleider vom Leib, Badehose angezogen; Badetuch, Schwimmbrille, Duschgel in Plastiksack. Über eine Art Galerie gelangt man zu den Duschen, am Ende der Galerie die Treppe hinunter geht's zum Becken. Lange Zeit war das City das einzige Hallenbad mit einem 50-Meter-Becken. Eine bautechnische Sensation war auch die Wärmepumpanlage, die gleichzeitig das Wasser und die Luft erwärmte. Die Wassertemperatur betrug 23°. Die Fenster gegenüber der Galerie haben die Dimension von Kirchenfenstern in Kathedralen, ausser dass diejenigen im City auch wirklich Licht hereinlassen. An sonnigen Tagen sausen die Wolken übers Wasser und man wird beim Schwimmen direkt von der Sonne und indirekt vom Wasser bestrahlt. Dann kann es sein, dass man für einen kurzen Moment in diesem Wasser und Sonne Gemisch die Orientierung verliert, nicht räumlich, sondern sinnlich (irgendwie). Auf sittliches Betragen und angemesse Kleidung wurde 1941 streng geachtet. Frauen mussten Bademützen tragen. Schwimmen soll gesund sein. Ich mache es, weil es eine der wenigen Sportarten ist, bei denen man schnell vergisst, dass man sich körperlich anstrengt. In gewisser Weise verlässt man im Wasser die alltägliche Dimension, die Schwerkraft ist aufgehoben und vergleichbar mit einem leichten Schwips. Dieser enthebt einen ähnlich aus der alltäglichen Dimension. 1980 wurde das City restauriert. Das Restaurant, das sich im oberen Stock befand, musste den Umkleidekabinen weichen. Das neue Restaurant wurde im Erdgeschoss eingerichtet. Neuerdings gibt es überhaupt kein Restaurant mehr; nur noch einen eindeutig unterfrequentierten Speedo-Shop und einen Snackautomaten.
Schwimmer und Schwimmerinnen sehen in der Regel einigermassen gesund und robust aus. Das beruhigt. Heute zum Beispiel sah ich einen Mann, der deutlich über 80 Jahre alt war; hinter all dem aus den Fugen geratenen Fleisch, sah man noch seine Jugend, die dünnen Beine, da und dort noch ein paar Muskeln und er schwamm selbstvergessen wie ein junger Hund, die Nase weit über der Wasseroberfläche wegen der Spritzer.
Alles in allem gefällt es mir im Hallenbad City.

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