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13.09.2004 20 06 lk #1885
Freedom is just another word for nothing left to lose.

13.09.2004 19 39 lp #1884
ist das nicht der typ aus "ein mann aus den bergen"? ich meine den links.

13.09.2004 16 03 nik #1883
sib_posed.jpg

Kris Kristofferson/Barbara Streisand (...feelin? nearly faded as my jeans...)

13.09.2004 14 54 nik #1882
Ab heute bietet entecker.ch einen ganz neuen Service. Täglich ab neun Uhr kann man hier die vollständige Printausgabe des Tages-Anzeiger lesen. Solange bis auch der Tagi als Gratiszeitung überall herum liegt. Kündigt also eure Abos und spart euch die 2.50.- am Kiosk!

13.09.2004 13 30 bs #1881
...äääh...

12.09.2004 21 50 moo #1880
Tages-Anzeiger; 07.09.2004; Seite 15

Zürich

«Jetzt spinnt sie endgültig, die Stadt!»

Die improvisierte Beiz im ehemaligen Tramhäuschen an der Sihlbrücke ist ein Kleinod. Doch jetzt droht das Ende - wegen Vorschriften, Auflagen und des lieben Geldes.

Von Niels Walter
Zürich. - «Der Countdown läuft.» Das steht auf der Mondrakete, die im Dach des Tramhäuschens an der Sihlbrücke steckt. Die Zahl auf der Apollo zeigt, wie viele Tage noch fehlen, bis die kleine, feine Beiz wieder offen ist, nachdem sie wegen Bauarbeiten an der Sihlbrücke einige Wochen geschlossen war. Vorfreude herrscht.

Wahrlich eine Preziose, was da ein paar Junge in den letzten drei Jahren praktisch aus dem Nichts geschaffen haben. Eine Beiz mit Bar und Charme, weil es im Winter durch die Ritzen zieht und nur gerade ein Öfeli den Gästen die Füsse wärmt. Der Herr des Häuschens ist der 24-jährige Marco Peró. Mit 20 schloss er seine Kochlehre im Dolder Grand Hotel ab, danach übernahmen er und ein paar Kollegen die frühere Wartehalle. Perós Kunst der einfachen Küche sprach sich rasch herum. Die Tramstation wurde zu einem Geheimtipp.

Peró und seine Partner, die heute fünf Restaurants führen, darunter vier von der Stadt, entrümpelten später auch den Keller der Tramstation. Der Pastakeller war sofort ein Knüller, jedoch nicht ganz legal. Die städtische Liegenschaftenverwaltung hob den Zeigefinger, fand aber sympathisch, was die Jungen alles vollbrachten. Es gab fortan ein paar Auflagen, der Pastakeller wurde provisorisch bewilligt. Was auch der Stadt zugute kommt, die eine umsatzabhängige Miete kassiert. Perós Umsatzkurve steigt stetig. Peró und seine Leute haben inzwischen sieben Arbeitsplätze geschaffen. Gastrokritiker, Ausgehmagazine, Gäste und auch die Stadt schwärmen von der Tramstation. Zu Recht.

Der städtische Perfektionismus droht

Doch jetzt droht das gut schweizerische Bürokratieprozedere, der Beiz den Garaus zu machen. Die Stadt hat die Tramstation per Frühling 2006 öffentlich zur Vermietung ausgeschrieben, weil sie den «heute provisorisch erweiterten Restaurantbetrieb zu einem permanenten Gastronomiebetrieb um- und ausbauen» will. Peró darf seine Pasta noch ein Jahr lang servieren.

Der Liebhaber der bescheidenen Teigwarenküche fragt sich: Warum um Himmels willen lässt die Stadt diese jungen Erfolgreichen nicht einfach auf kleiner Flamme weiterkochen? Man weiss ja: Wenn die Stadt etwas in die Hände nimmt, dann droht der Perfektionismus - vom einfachen Abfallkübel bis zum (Super-)Kiosk in Riesbach. Der improvisierte Charme der Tramstation ist in höchster Gefahr.

Und wirklich: Eine dicke Dokumentation für potenzielle Mieter bestätigt alle Befürchtungen. Die Stadt will 1,4 Millionen Franken in diese alte Haltestelle reinbuttern. Wie bitte? 1,4 Millionen? Heisst es nicht immer, die öffentliche Hand müsse sparen? Da versteht der Pastabürger die Welt nicht mehr. Logisch, dass eine solche Investition den künftigen Mieter teuer zu stehen kommt: Die Stadt will künftig 80 000 Franken Miete fix pro Jahr plus zehn Prozent Umsatzbeteiligung. Heute zahlt Peró sechs Prozent ohne Fixbetrag.

Marco Peró hat das Gefühl, er sei im falschen Film. Wenn die Stadt umsetze, was sie vorhabe, dann sei die Tramstation, wie sie heute ist, tot, sagt er. Für Peró ist klar: Wer den teuer herausgeputzten Zweckbau aus dem Jahre 1933 künftig führen will, kann dies nur mit hohen Preisen für Speis und Trank und indem man jeden Rappen aus der Beiz herauspresst. «Sonst rechnet sich das nie und nimmer.»

Auch in der jungen Gastroszene heisst es: Jetzt spinnt sie endgültig, die Stadt! Sie mache etwas Schönes kaputt. Finanziell potente Konkurrenten hingegen reiben sich die Hände und verkünden zum Teil öffentlich, was in der tollen Tramstation alles möglich wäre. Gastronom Eric Blass vom Mascotte liess im «Tagblatt der Stadt Zürich» verlauten: «Das Lokal wäre was für mich.» Seine Idee: Eine Pastaküche machen. Aha!

Über 100 Interessierte haben die Dokumentation zur Vermietung angefordert. Peró befürchtet, dass jemand ihr Erfolgsrezept «feindlich» übernimmt und dass die Stadt abkassiert. Peró und seine Leute werden auch eine Offerte einreichen, doch mit eigenen Bedingungen. Sie wollen die wichtigsten Auflagen erfüllen, vieles aber selber renovieren und dafür der Stadt nicht so viel abliefern, wie es ihr jetzt vorschwebt. Peró sagt, sein Architekt habe dieselben Renovations- und Ausbauarbeiten berechnet und sei auf Kosten von unter einer Million Franken gekommen. Kritiker fühlen sich bestätigt: Die Stadt klotzt unnötig. Und macht damit Jungunternehmern obendrein noch das Leben schwer.

Vorschriften über Vorschriften

Frage an den stellvertretenden Direktor der Liegenschaftenverwaltung: Herr Keller, wollen Sie die Tramstation vergolden? Jürg Keller verneint. Die Stadt wolle nur das Nötigste machen. «Doch auch das kostet rasch viel Geld.» Keller spricht von Werkleitungen, Heizung, Lager- und Kühlraum nach Vorschriften, getrennten Toiletten für Personal und Gäste und so weiter und so fort. Das seien nun einmal die Auflagen und Standards. Und: Die Stadt könne es sich nicht erlauben, bei privaten Beizern die Auflagen durchzudrücken, sie bei eigenen Restaurants aber nicht zu befolgen.

Keller ists nicht recht, dass jetzt Peró und seine Leute, mit denen die Stadt so gerne zusammenarbeitet, um ihre kleine Perle bangen müssen. «Doch wir sind von der Politik angehalten, städtische Restaurants auszuschreiben, wenn wir sie renovieren und zu neuen Bedingungen vermieten.» Täte man das nicht, wäre sofort der Vorwurf da, die Stadt gebe ein Lokal unter der Hand ab. Keller beteuert, dass die jetzigen Mieter «mindestens gleich gute Chancen haben werden» wie alle anderen Bewerber. So hat aus städtischer Sicht alles seine Ordnung. Doch in Ordnung ist das nicht.

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