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12.09.2004 21 41 moo #1877
Der Filz in dieser Stadt bringt mich noch eines Tages an den Rand der Verzweiflung! So soll es wohl meine Bestimmung sein, auf dieser Seite eben diesen Filz publik zu machen und so beginne ich damit heute und hier!

Da las ich eben mal kurz am 7. September 2004 den Tages-Anzeiger (Züri-Teil) und stolpere über einen Artikel mit dem Titel "Jetzt spinnt sie endgültig, die Stadt". In eben diesem Artikel ereifert sich ein gewisser Niels Walter über das Vorhaben der Stadt Zürich (Finanzdepartement Martin Vollenwyder FDP), die kleine "perle" (O-Ton) am Stauffacher namens Tramstation für 1.4 Mio umzubauen.

Schon nach wenigen Zeilen ist mir klar, dass dieser Artikel nur ein Gefälligkeitsartikel des Herrn Niels Walter zugunsten der Pumpstation Gastro GmbH (Michel Péclard) sein kann, da das erwähnte Restaurant zurzeit in einem öffentlichen Wettbewerb zur Vermietung ausgeschrieben ist. So weit so gut. Nur beginnt jetzt meine Neugierde zu wachsen.

Also recherchiere ich etwas im Internet und im Bekanntenkreis und prompt gibt es auf der Seite der Tramstation (www.tramstation-zuerich.ch) erste kritische Einträge im Gästebuch. Meine Freunde finden es nur peinlich. Oberpeinlich wird es dann heute, 12. September 2004 mit der Tatsache, dass die kritischen Einträge im Gästebuch der Tramstation gelöscht wurden! Ohne Kommentar seitens des Webmasters!

Tages-Anzeiger, 8. September 2004, "Nachgefragt". Die Posse geht weiter! Jetzt wird Stadtrat Martin Vollenwyder höchstpersönlich von Niels Walter mit Fragen zur Tramstation bedrängt. Eine Kampagne ist also im Gange!

Immerhin meldet sich dann im Leserforum des Tages-Anzeiger am 9. September 2004 ein gewisser Peter Wyss mit der kritischen Meinung, dass sich auch die Pumpstation Gastro GmbH an die Vorschriften halten muss und "nicht mehr mit einer städtischen Vorzugsbehandlung rechnen kann".

Seit Jahren erhält nämlich Janka Schenker städtische Traum-Locations, um welche sich andere chancenlos bewerben (Münsterhof, Pumpstation, Tramstation, Kiosk am See) und nun, da sie nicht mehr dem Unternehmen zur Verfügung steht - weil segelnderweise die Erde umrundend - und ihr Cousin Michel Péclard wohl um die Vergabe der Tramstation fürchten muss, wird fleissig über den Tages-Anzeiger PR in eigener Sache gemacht.

In den nächsten Wochen wird über die neue Mieterschaft der Tramstation entschieden, also werde ich weiter an der Geschichte dranbleiben und weiter hier informieren. Jetzt erstmal lade ich euch die Tages-Anzeiger Artikel in Reihenfolge rauf.

12.09.2004 19 56 run #1876
Die Arbeitsköter der Firma XY lassen grüssen. Harry, fass!!!


09.09.2004 14 57 nik #1875
Es war ein schöner Wintermorgen als ich im Jahre 1946 in einem stattlichen Bürgerhaus in Lübeck zur Welt kam. Mein Vater, Graham Alois Lütkehaus, und meine Mutter, Annamalia Lütkehaus (geborene Scholl-Eisenfirst) tauften mich auf den Namen Ludger. Der Name stammt aus dem Friesischen und ist eine alte Bezeichnung für den Dammwart. Mein Leben ist schnell erzählt: Grundschule und Gymnasium in Lübeck, Studium in Berlin. Für kurze Zeit wohnte ich 68 in einer Kommune. Als mein Vater davon erfuhr, stellte er seine Unterhaltszahlungen ein, bis ich in eine normale Wohnung zog. Nach dem Studium arbeitete ich auf verschiedenen Redaktion von Lokalblättern, absolvierte ein Praktikum bei einer Zeitschrift für zeitgenössische Kunst, ?Kunstwelten? hiess die Zeitschrift. Höhepunkt des Praktikums war ein Interview mit Georg Baselitz. Meine Fragen waren wohl etwas zu unverfroren. Baselitz verliess das ?Café Czerni?, wo das Interview stattfand, mit den Worten: ?Sie verdammter Schleimscheisser, ihnen steck ich gleich das Diktaphon ins Rektum, und zwar quer!?
Langer Rede kurzer Sinn: Da bin ich nun, als freier Journalist und schreibe für verschiedene europäische Feuilletons. So auch für die NZZ. Gerade heute zum Beispiel ist ein Artikel von mir erschienen mit der Überschrift Die neue Rücksichtslosigkeit. Zu dem Artikel gibt es eine kleine Vorgeschichte, die mich auf die Idee brachte: Ich war vor zwei Wochen in der Oper. Danach gingen wir gleich nach hause, da meine Gattin am nächsten Tag früh auf musste. Wir warten also auf den Bus, und ich starre auf den Boden, sinnierend über die Inszenierung. Da fällt mir auf, wie viele Zigarettenkippen da so rum liegen. Ich beginne zu zählen: 34! Mir schiesst es durch den Kopf: ?Wie eine von gelben Filterpusteln übersäte Gesichtsoberfläche, eine Kippe von Kippen.? Offenbar habe ich diesen Satz nicht nur gedacht sondern auch halblaut vor mich hin gesagt. Meine Frau will wissen, was ich eben gesagt habe. Ich wiederhole den Satz laut. Meine Frau, Linda, lächelt und meint, sie fände meine Gabe solche Sätze zu formulieren sexy. Tja, am nächsten Tag baute ich einen komplett sinnlosen Artikel um diesen Satz, der ziemlich fadenscheinig vorgaukelt, es handelte sich bei den Kippen am Boden um ein Indiz für eine gesellschaftliche Entwicklung. Auch baute ich eine kleine These ein; die Verlagerung von Anstand in den privaten Raum. Das klingt irgendwie überzeugend, da kommt privat und öffentlich drin vor. An der Uni haben sie auch immer diese Unterscheidung gemacht, kann also nicht falsch sein.
Bin eigentlich ganz zufrieden mit meinem Artikel. Nur am Schluss, da fehlte irgendwie die Pointe. Ich wusste, ich wollte noch mal den Knigge einbringen, aber irgendwie-Naja!






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