16.12.2003 20 44 lp #1547
 Zeitgenoessische Psychen
16.12.2003 20 42 lp #1546
 Zeitgenoessische Psychen
16.12.2003 11 51 nik #1542
Ich muss es doch noch erzählen, obwohl es mir noch immer schwerfällt darüber zu reden. Es ereignete sich am Freitag vergangener Woche: Das Bier nach dem Kino beschlossen meine Begleitung und ich in der Meyer?s Bar zu bestellen. Es war gegen zwölf oder auch schon halb eins. Die Bar füllte sich allmählich. Es war laut. Es war verraucht. Ein Typ, gegen sechzig, ziemlich betrunken, stand mitten im Raum und schwankte gefährlich herum und drehte Pirouetten. Da er beim Pirouettendrehen sein Glas in der Rechten hielt, besudelte er die Gäste um ihn herum mit Rotwein. Dieser Typ war wirklich ziemlich unerträglich. Er roch ziemlich stark nach Schweiss. Wenn sich mal jemand ihm zuwandte in betrunkenem Übermut und ihm kumpelhafte Worte zuwarf oder versuchte in seinen ?Tanz? einzusteigen, wurde dieser sogleich mit den unschmeichelhaften Worten ?Du tumme Siech, chasch ja überhaupt nöt tanze, lueg da! So macht mes, Du blöde Sauhund!? disqualifiziert.
So ging das. Die Bar füllte sich weiter und es wurde immer lauter und rauchiger. Die Musik pendelte zwischen Rolling Stones, Einstürzende Neubauten und Celtic Frost (so kam es mir jedenfalls vor).
Doch dann betrat sie den Raum. Die Frau, die der deutschen Literatur gegenwärtig ?madonnenhafte Züge? verleiht: Judith Hermann! Ihre Begleiter waren drei Typen unterschiedlichen Alters. Der eine so Mitte zwanzig, schwarze Hose, schwarzes Hemd, halblange blonde Haare und runde Nickelbrille. Der zweite hatte schwarze Haare und sonst nichts. Der dritte war einiges älter, so gegen 50, graues Jackett, irgendwie erinnerte er an Harald Schmidt.
SIE sass nur da und lächelte und rauchte und trank (ich glaube es war Rotwein). Die eine Hälfte der Gäste tuschelte komisch herum oder fiel in Ehrfurchtsstarre, die andere (diejenige, die SIE nicht erkannt hatte) soff und grölte weiter. Die drei Herren, die ihre Begleitung abgaben, waren auch schon ziemlich angetrunken und fanden Gefallen an der Musik; Black Sabbath. Ein grosses Halli-Hallo ertönte als man herausfand, dass der Sänger von Black Sabbath Ozzy Osbourne heisst (Ja, genau, DER Ozzy Osbourne). Als dann auch noch ?I wanna hold your hand? von den Beatles erklang, gab es für die Herren kein Halten mehr. Allen voran Harald Schmidt (er sah von schräg hinten wirklich so aus) wurde vom Hit aus seinen jungen Jahren förmlich vom Stuhl gerissen, worauf er nun stand und mit den Hüften wippte. Es war nicht wirklich verblüffend, dass dies auch der Pirouettten-Heini mitbekam und Harald Schmidt zum Tanz aufforderte. Schmidts Tanz gefiel ihm jedoch überhaupt nicht, was er wiederum in gewohnter Manier kundtat: ?Chasch ja nöd tanze, du huere Aff, lueg so muesch, ich chas, das isch mini Bar? Dabei schüttete er sein eben gefülltes Glas über den Joint eines Gastes. Harald Schmidt war etwas verwirrt, erstens durch seinen Übermut und zweitens durch das ruppige Gebaren des Pirouetten-Heins.
Ich musste mir unbedingt noch ein Bier bestellen. Es war nicht zum aushalten. Gerade als ich glaubte, dass es nicht schlimmer kömmen kann, betrachtete ich den Pirouetten-Heini genauer. Irgendwie kam mir der Typ bekannt vor. War das nicht ? nein, das kann einfach nicht sein, das glaube ich nicht. Doch, er ist es! Erde, tu dich auch und verschlinge uns alle, aber diesen Typen ein bisschen eher. Es war tatsächlich: Roger Schawinski (?Huere Tubel, chasch ja gar nöd tanze!?) Danach viel ich in Ohnmacht.
16.12.2003 08 53 van #1540
Selbstreflexion aus der INBOX: When sp@m is overwhelming and what to do about it...
16.12.2003 02 54 run #1539
Bürde des Normalen:
Das Genie kann im Alltag überhaupt nur akzeptiert werden, wenn es gleichzeitig ein gemütskrankes, irrsinniges Arschloch ist. Alles andere wäre schlicht unerträglich. Wo also der Verdacht des genialen auftaucht, muss umgehend die Diffamierung nachgereicht werden.
16.12.2003 02 03 mo #1538
'Mit der Zeit vergeht das! - "Ich glaube, die Idee kam auf mich zu und nicht umgekehrt" sagte ich. Ich traute ihm nicht zu, dass er verstanden hätte ...
Machte man das alles, um zu überleben? ...
Naja, es war nur das Übliche, genau wie immer.'
(Harry Tobinski im Kursbuch54/1978)
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