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14.12.2003 16 00 lp #1531
"Wir verhelen nicht länger, daß wir zur Unterstützung dieses Systems die Geschichte der tugendhaften Justine der Öffentlichkeit zu übergeben uns anschicken. Es ist wichtig, daß die Narren endlich aufhören, das lächerliche Idol der Tugend zu beweihräuchern, die ihr Verhalten bisher nur mit Undank gelohnt hat, und daß die Leute von Geist, die in der Regel aus Grundsatz auf den köstlichen Seitenwegen des Lasters und der Ausschweifung wandeln, sich bestätigt fühlen, wenn sie die schlagenden Beweise von Glück und Wohlergehen bemerken, welche sie beinahe unausbleiblich auf dem ungewöhnlichen Wege begleiten, dan sie gewählt haben. Zweifellos ist es ein unerfreuliches Geschäft, auf der einen Seite das entsetzliche Unglück schildern zu müssen, das der Himmel auf die zarte, empfindsame Frau häuft, welche die Tugend als höchstes Gut achtet, auf der andern Seite die Häufung von Glücksgütern bei denen, welche diese Frau quälen oder kränken; aber der homme-de-lettres, welcher Philosoph genug ist, um die Wahrheit zu sagen, überwindet diese Unannehmlichkeiten. Zur Grausamkeit gezwungen, entfernt er mit der einen Hand unnachsichtig den abergläubischen Tand, mit dem die Dummheit der Tugend schmückt, und zeigt dreist mit der andern Hand dem Menschen, der nicht wußte, daß man ihn täuschte, das Laster inmitten der reizendsten Mächte, die es umgeben und unaufhörlich sein Gefolge bilden. Aus diesen Gründen also... wollen wir ... das Verbrechen darstellen, wie es wirklich ist: siegreich und erhaben, stets zufrieden und glückselig, und ebenso die Tugend, wie sie wirklich auftritt: stets trübsinnig und schlechter Laune, stets schulmeisterlich und vom Unglück verfolgt."

M. De Sade - Justine, Bd.I

14.12.2003 15 54 lp #1530
Warum habt ihr euch auf die Pfade der Tugend verirrt, da ihr doch wissen mußtet, daß alles auf Erden Laster und Verbrechen ist? In welcher meiner Taten habt ihr mich denn als Wohltäter wirken sehen? Habe ich nicht Pest, Bürgerkrieg, Krankheit, Erdbeben, Unwetter gesandt? Habe ich nicht unaufhörlich über euren Häuptern die Nattern der Zwietracht aus- geschüttet? Etwa um euch zu überzeugen, das Gute sei mein Wesen? O ihr Toren, warum seid ihr mir nicht gefolgt?

M. de Sade Juliette, Bd.II


14.12.2003 14 21 lp #1529
dorex.jpg
Gustave Doré:
Illustration zu E.A. Poes "The Raven"

14.12.2003 14 12 lp #1528
wie komme ich trottel eigentlich dazu, irgendwas erklaeren oder wissen zu wollen?

14.12.2003 13 19 lp #1526
zeitgr.jpg
ueber zeit - aus der gruppe "formalisierung der langeweile"
juergen klauke

14.12.2003 13 07 lp #1525
ausloeschen. Noch mehr. Bis die weissen Raeume klar hervortreten. Verharren in der Langeweile, sprachlos. Da ist nichts, Sprachidioten im Kopf. Sonntagsneurosen. Grenze zur Welt? Draussen ist feindlich. Was Ethik? Vorbei. Endlich glauben. Nicht ich, nicht dort.

Aber nach uns kommt nichts mehr...

Einstuerzende Neubauten - KALTE STERNE

Wir sind kalte Sterne
(du kannst sehen wie wir funkeln)
nach uns kommt nichts mehr
Bakterien
(jede einzelne eine Bakterie, für dein Hirn, für deine Seele, für dein Herz)
Nie wieder
nach uns nichts mehr
wir sind kalte Sterne
(du kannst sehen wie wir funkeln)
nie wieder
kalte Sterne
wir sind alle Monde dieser Welt
alle Sterne dieser Welt
aber nach uns kommt nichts mehr
kalte Sterne
(sieh du wie wir funkeln)
wir sind kalte Sterne
nach uns kommt nichts
(wir sind kalte Sterne)
alle Monde
alle Sonnen
abwärts
zur Sonne
wie kalte Sterne
Bakterien für eure Seele
kalte Sterne kalte Sterne kalte Sterne


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