14.11.2003 11 19 cis #990
Baudelaire für Jedermann
XCIII
An eine, die vorüberging
Der Strassenlärm betäubend zu mir drang.
In tiefer Trauer, schlank, von Schmerz gestrafft,
schritt eine Frau vorbei, die mit der Hand gerafft
Den Saum des Kleides hob, der glockig schwang;
Anmutig, wie gemeisselt war das Bein.
Und ich, erstarrt, wie ausser mich gebracht,
Vom Himmel ihrer Augen, wo ein Sturm erwacht,
Sog Süsse, die betört, und Lust, die tötet, ein.
Ein Blitz ... dann Nacht! - Du Schöne, mir verloren,
Durch deren Blitz ich jählings neu geboren,
Werd in der Ewigkeit ich dich erst wiedersehn?
Woanders, weit von hier! soll's nie geschehen?
Dein Weg ist mir, dir meiner unbekannt;
Dich hätte ich geliebt, und du hast es geahnt!
Charles Baudelaire, Die Blumen des Bösen, übersetzt von Monika Fahrenbach-Wachendorff in einem abgegriffenen gelben Reclam-Bändchen (1992)
Also, dann mal schön losgooglen. Greifen wir die beiden ersten aufgelisteten Treffer. Bei den Agenten handelt es sich um eine ähnliche Uebersetzung wie die von Monika Fahrenbach-Wachendorf. Es scheint aber die eines Mannes zu sein, auch wenn sich der Unterschied nur im Schriftbild, in ein paar unerheblichen Rechtschreibefehler, sowie dem Hinzufügen und Austausch einzelner Worte zeigt: Baudelaire lesende Agenten Dass Baudelaire mit der Jahreszahl 1962 in Zusammenhang gebracht wird, scheint ihn in den ewigen Jagdgründen vielleicht zu ehren. Vielleicht hat er den Agenten die Deutschfassung seines Gedichtes per S*ully und M*lder der Nachwelt überlassen. Die Agentenberichte sind dagegen um einiges strikter,wenn auch die Agenten nicht sehr fleissig zu sein scheinen.
14.11.2003 01 51 pet #1381
14.11.2003 01 48 pet #1380
14.11.2003 01 48 pet #1378
14.11.2003 01 47 pet #1379
14.11.2003 01 30 pet #1377
Ich wohne in einem ruhigen Quartier. Es kommen Menschen aus ganz Europa, um im benachbarten Wohnhaus zu sterben. Mrs. und Mr. Brad*ford waren eben hier um zu sterben. Sie kamen aus England. Im Quartier in dem ich wohne darf gestorben werden. Die Englisch sprechende Moderatorin, im aparten Hosenanzug, nimmt immer wieder Anlauf. Vom Eingang des Hauses mit der Wohnung zum Sterben nähert sie sich der Kamera. Mitten im Satz und Weg bricht sie wieder ab, schüttelt den Kopf und begibt sich wieder an den Ausgangspunkt. Ich schaue ihr beim fünften Anlauf zu. Zum fünften Mal sagt sie, wie Mrs. und Mr. Bradford zum Sterben hierher nach Zürich gekommen seien. Als die Aufnahmeleiterin, die dritte Person, auf dem ansonsten menschenleeren Platz, mich auf Französisch anspricht, erkundige ich mich nach der Fernsehanstalt. Sie gibt mir schnell zu verstehen, dass ich auf dem Set unerwünscht sei, ich würde die Moderatorin ablenken, die eben frustriert zu ihren Habseligkeiten geht und ihr Haar im Spiegel ordnet. Sie hat nun zum fünften Mal gesagt, sie würde sich in einem ruhigen Suburb von Zürich befinden, vor dem Haus wo legal gestorben werden dürfe. Da stören lebende Quartierbewohner. Die Moderatorin ist eher Schauspielerin oder Model, denn Moderatorin. Ihr Laufsteg ist das Trottoir und die hässliche graue Fassade hinter ihr das Ornament des Todes. Ach!
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