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02.11.2003 00 56 lk #1337
Dies gelesen:

Ich fuettere dem verlezten baby
wuermer,katzenfutter,muecken

Und das gedacht:

So kann ein Baby ja kaum gesunden....

01.11.2003 23 27 run #1336
halloween03.gif
...schon wieder hatte er sich schuldig gemacht.

30.10.2003 15 33 lp #1335
Generation Q (aus den unheimlichen Welten des weiten Netzes geklaut)


Richard Linklater prägte mit seinem Film "Slacker", ebenso wie Douglas Coupland mit seinem Buch, eine ganze Generation, die Generation X. Ihre Mitglieder sind Menschen, die nicht mehr wissen was sie wollen, die für sich keinen Platz in dieser Welt finden und denen nur die Flucht vor der Realität bleibt. Längst sind solche Ansichten unpopulär, denn mittlerweile wurde X von Q abgelöst. Wie Q so leben auch die Anhänger der gleichnamigen Generation, jenseits aller ethischen Gebote und zwischenmenschlicher Regeln. Hier ist nur Platz für wirkliche Soziopathen, deren Credo lautet: "Es kann nur einen geben - und das bin ich." Die Welt in ihrem jetzigen Zustand ist ja gar nicht mehr in der Lage allgemeingültige Verhaltensnormen aufzustellen. In einem Jahrhundert in dem alles möglich ist, ist auch das Unmöglich ein natürlicher Faktor. In diesem Chaos von Ideologien, Vorschlägen und Reglements ist die Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins zum Paradoxon geworden. Die Frage lautet nicht mehr: "Was ist erlaubt?" sondern "Was erlaube ich mir?". Die Negierung aller Maxime führt natürlich zur totalen Freiheit. Kein Wunder, daß ein allmächtiges Wesen wie Q Namensgeber dieser Generation wurde. Ist er doch ein Meister im Brechen mit Althergebrachtem.

Q: The point of this game should be: can any of you stay alive.
Worf: If your game is fair, we will.
Q: Oh, for shame, Worf! Fairness is such a human concept. Think imaginatively! This game should in fact be completely unfair.
(Hide and Q)

Wer in diesen Zeiten noch ein gutbürgerliches, braves Leben führt, der ist selbst schuld. Die eigenen Bedürfnisse und Wünsche werden zum Maß aller Dinge. Willkür und Unberechenbarkeit sind zum Lebensprinzip geworden. Man weiß vielleicht noch, um Gut und Böse, aber man kümmert sich nicht mehr darum. So formt die Generation Q ihre eigene Welt, in der die Zehn Gebote nun ganz anders lauten.

Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.
Sei berechnend, ohne selbst berechenbar zu sein.
Das Leben ist nur ein soziales Experiment mit ungewissem Ausgang.
Handle immer so, daß zufälliges Handeln dagegen wie langweilige Routine aussehen würde.
Im Universum der Sinnlosigkeit ist alles Denkbare möglich.
Vermehre immer die Anzahl der Möglichkeiten, die dir zur Verfügung stehen.
Vielleicht hast du noch fünf Minuten zu leben, aber das sind fünf Minuten nach deinen Bedingungen.
Daß du nicht paranoid bist, heißt noch lange nicht, daß sie nicht hinter dir her sind.
Grenzen sind nicht erlaubt, Grenzen existieren nicht.
Sei jeden Tag ein anderer.
Natürlich war Q nicht der Verkünder dieser neuen Philosophie. Ansätze dafür gab es schon lange vor ihm, ja sogar lange vor "Star Trek". So propagiert der Hedonismus, den erstmals Aristipp von Kyrene (~435-366) formulierte, schon die Erfüllung der Lust als oberstes Ziel. Ebenfalls riefen die Surrealisten zur freien Entfaltung der eigene Wünsche auf:

"Die einfachste surralistische Handlung besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße zu gehen und blindlings soviel wie möglich in die Menge zu schießen. Wer nicht wenigstens einmal im Leben Lust gehabt hat, auf diese Weise mit dem derzeit bestimmenden elenden Prinzipien der Erniedrigung und Verdummung aufzuräumen - der gehört eindeutig selbst in diese Menge [...] "
(Breton, André: Die Manifeste des Surrealismus)

Schließlich gibt es noch Jean-Paul Satre und Albert Camus, mit dem Existenziamlismus, in dem die Freiheit des Menschen an oberster Stelle steht. So gesteht Orest in Satres "Les mouches":

"Ich bin frei. Jenseits der Angst und der Erinnerung. Frei. Und mit mir eins."
(Sartre, Jean-Paul: Les Mouches)

Und eine weiter Maxime von Sartre lautet:

"Nous ne pouvons jamais choisir le mal, c?est toujours le bien."
(Sartre, Jean-Paul: L?existentialism est un humanisme)

All diese Strömungen sind gleichwohl weit entfernt von den radikalen Forderungen der Genration Q. Besonders deutlich spiegelt sich diese Radikalität im Unterhaltungssektor wieder. Vor zwanzig Jahren hätte es ein Film wie "Pulp Fiction" gerade mal in einige übel beleumdete Kinos geschafft. Heute avanciert er zum Kultfilm und gewinnt internationale Preise. Quentin Tarantino wurde nicht ohne Grund zu Hollywoods Messias der neunziger Jahren. Die Helden der Generation Q sind jene, die wir auch in seinen Streifen bewundern: Serienkiller, Psychopathen, Vampire. Wesen, die aus freiem Willen abseits der Gesellschaft stehen. Sie morden willkürlich und ohne Motiv. Sie führen aus wovon der Durchschnittsbürger träumt, wodurch sie zur Inkarnation seiner eigenen Wünsche werden. "Das Schweigen der Lämmer", "Romeo is Bleeding", "Natural Born Killers" - in all diesen Filmen ist den Bösewichten von früher unsere Sympathie gewiß. Die Gewalt bleibt allerdings nicht hinter den Kinotüren zurück. Verstärkter bahnt sie sich ihren Weg in die Realität. Wie man in den achtziger Jahren gelernt hat mit der permanenten Bedrohung durch die Bombe zu leben, so lebt man in den ausgehenden neunziger Jahren, mit der Gewißheit, daß einem jeder Zeit ein Fremder ohne Grund ein Kugel in den Kopf jagen kann. Ben Elton zeigt in seinem Drama "Popcorn" wie rasch die Grenzen zwischen fiktiver und tatsächlicher Gewalt fallen können. Und schon sieht man die Kehrseite der Generation Q. Wer nur sich in seiner Freiheit anerkennt, der ist schnell mit der totalen Einsamkeit konfrontiert. Eine Einsamkeit, die schon Satre für den Menschen des Existenzialismus vorhergesehen hat:

"Ich bin verurteilt für immer jenseits meines Wesens zu existieren, jenseits der Antriebe und Motive meiner Handlung: ich bin verurteilt, frei zu sein."
(Satre, Jean-Paul: Das Sein und das Nichts)

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