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19.09.2003 18 26 mo #1220
1. Auch auf unserem Küchentisch fand sich ein Zettel.
"Darfst alles stehenlassen, ich bin heute der Putzteufel."
Am nächsten Tag war der Zettel verschwunden.
Spurenlos blieb die Wohnung ansonsten.
2. Wir hatten uns geeinigt, keine Zettel mehr zu schreiben.
3. Wir kommunizieren über das Alltagsallerlei, wenn wir in bunter Runde im Dönerladen ein Haus weiter beisammen sitzen. Das macht das Ganze unverbindlich.
4. Es wäre sicher ziemlich aufschlussreich, eine Studie an Küchentischen durchzuführen.
5. An sauberen.
19.09.2003 11 39 dab #1219
1. Auja, Z.J.-bashing. Es juckt mich immer, dem mich anzuschliessen. Nur ist die arme Frau sich das schon so gewohnt, dass es kaum drauf ankommt. Ein Gefuehl -- nein, nicht wie Welpen-Treten -- vielleicht wie Buddha-Statuen-Treten?
2. Ich wollte ich koennte. Apodiktischer meine Vorstellung einer gemeinsamen Kueche kommunizieren. Aber meine Mitbewohner sind stoischer als Buddha-Statuen. Und bestimmt unreinlicher.
19.09.2003 11 00 nik #1218
Heute morgen lag auf dem Küchentisch ein Schreiben, welches über seinen apodiktischen Wesenszug keinen Zweifel lässt. Verfasst wurde es von der Person, mit der ich die Wohnung teile:
Hallo Nik
1. Ich will kein verchoseläts Brüneli (Lavabo) in Küche.
2. Ich will kein Asche und vollen Aschenbecher auf dem Tisch.
3. Ich will das du wieder mehr freiwilig machst - zbsp. Kübelsack/Geschirr verräumen.
4. Du kannst dieses Wochenende beide Jobs (Kuche und WC putzen, Anm. d, Verf.) machen, da dies ffür mich vor deinen Ferien der Fall war.
5. Ich möchte, dass solche Dinge gar kein Thema sind, sondern einfach funktionieren.
*****
Widerrede wäre da wohl äusserst zwecklos und sogar gefährlich. Nicht auszudenken, welche Bestrafungen auf mich warten bei Nichteinhalten.
19.09.2003 00 26 nik #1217

"Literaturbetrieb und Sexismus", ein Thema, wie geschaffen für Rosche Köppel oder einen seiner "Kettenhunde" (Viktor Giacobbo).
19.09.2003 00 06 lb #1216
Ferien ist, wenn man Zeit hat, schlechte Bücher zu lesen. Eine Kollegin hat es mir empfohlen. Sommerhaus, später von Judith Hermann. Auf meine Frage, um was es denn gehe, meinte sie, sie wisse nicht so recht und, ja so Geschichten halt, aber literarisch, sehr literarisch. Super gut, wirklich.
Supiduppi, wirklich und wirklich literarisch. Das möchten der entecker-Leser und ?Schreiber doch auch können. Darum eine kurze Anleitung:
- Man schreibe auf der allerallerersten Seite: Für F. M. und M. M.
- Man drucke dann auf der allerersten Seite ein (englisches!) Zitat von Tom Waits: "The doctor says, I'll be alright but I'm feelin blue."
- Man beginne die erste ach so literarische Geschichte mit: "Mein erster und einziger Besuch bei einem Therapeuten kostete mich das rote Korallenarmband und meinen Geliebten"um dann aber gleich zu hinterfragen, ob die Geschichte nicht doch zu brisant sei um erzählt zu werden: "Ist das die Geschichte, die ich erzählen will? Ich bin nicht sicher. Nicht wirklich sicher:"
- Man wiederhole 7 Seiten später: "Mein erster und einziger Besuch bei einem Therapeuten kostete mich das rote Korallenarmband und meinen Geliebten."
- Man frage sich eine halbe Seite später nochmals, ob die Geschichte nicht doch zu brisant ist, um der Öffentlichkeit zugänglich zu machen: "Ist das die Geschichte, die ich erzählen will? Ich bin nicht sicher. Nicht wirklich sicher:"
- Man lasse in den Geschichten, die nicht im Winter spielen vorwiegend Personen auftreten, die sich nach dem Winter sehnen.
- In Form von Gedanken der Erzählerin streue man in eine Geschichte (attraktive junge Frau will was von einem fetten alten aber berühmten und verheirateten Regisseur) völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze ein wie: "Ich finde, wir haben gute Winter miteinander gehabt. War es einer, oder waren es mehrere? Ich weiss es nicht mehr, und du würdest sagen, es sei auch nicht wichtig." (Vielleicht spielt ja Burkhard Spinnen hierauf an, wenn er schreibt: "Still zittern die letzten hiesigen Umbrüche in den Geschichten".)
In den besten Familien kann vorkommen, dass sich Kolleginnen in Urteilen über Bücher irren. Dass aber Marcel Reich-Ranicki dermassen daneben haut und sich auch noch vom Stil der Autorin anstecken lässt, gibt mir zu denken: "Wir haben eine neue Autorin bekommen, eine hervorragende Autorin. Ihr Erfolg wird gross sein." Den Gipfel aber setzt Hellmuth Karasek. Nur weil die Autorin noch nicht über 40 ist, nur weil in einer Geschichte mal einer kokst und dann mit pinkigen Abwaschhandschuhen an eine Vernissage geht und nur weil hie und da ein Wort (oder gar ein ganzer Satz) in englischer Sprache geschrieben ist, ist dieses Buch noch lange nicht "der Sound einer neuen Generation."
Es stellen sich zwei Fragen: Ist die Autorin schön? Ist der Vater der Autorin eine in der Literaturbereitstellung wichtige Persönlichkeit?
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