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01.07.2003 09 59 van #1150
Heute früh in der Praxis.

Dentalhygienikerin:
Guätä Morgä!
Patient:
Guätä Morgä, wi gaat's Inä?
Dentalhygienikerin:
Tankä, und Inä?
Patient:
Au.

28.06.2003 23 59 pet #1149
Also, es verhält sich so mit den Fruchfliegen: In einem liderlichen Haushalt wird nichts angeschafft, das zur Verbesserung der Lebensqualität beiträgt. Das würde den für die Evolution so notwendigen täglichen Kampf um Lebensraum schmälern. Dem Wettbewerb nicht aus dem Weg gehen, sondern in der Küche eine Oekologie schaffen, in der sich der Mensch jeden Tag beweisen kann. Im Grunde sehe ich den Kampf der Hauswirtschaft gegen Insekte und Bakterien nicht als Sieg der Zivilisation, sondern eher als eine Vermeidungstaktik, mit den Emotionen im Kampf um Lebensraum umzugehen. "Kampf um Lebensraum", ich weiss, dass ist eine gravierende, historisch vorbelastete Phrase. Die politische Korrektheit gebietet solche Gedanken nur im vom Wettbewerb geprägten Wirtschaftsleben zu verwenden, also nur dort, wo es um das Sein oder Nicht-Sein von Kapital geht. In meiner Küche geht es aber um den Tod und das Leben Hunderter von Lebewesen. Ich muss deshalb weiterfahren politisch unkorrekt zu sein. Der hygienische Haushalt vermeidet das Aufkommen von Populationen anderer Lebewesen als dem Menschen. Ich wage sogar zu behaupten, dass die Reinlichkeit die Vermehrung des Menschen behindert. Immer wenn ich Werbung für saubere Küchenplättli und glänzendes Geschirr sehe, die mich zum Kauf einer Reinigungssubstanz anregen will, regen sich eunuchische Sehnsüchte in mir. Als Gegengewicht gibt es die Küche und die Fruchtfliegen. Ich will im Kampf mit den Fruchtfliegen bestehen und meine durch zivilisatorische Versuchungen gedemütigte Virilität zurückgewinnen. Es geht also nichts über einen Kehrichtsack in der Küchenecke, in dem offen an der Luft Bananenschalen, Obstreste, Chriesisteine vor sich hinmodern. Ich glaube das offene Küchenfenster ist nicht wirklich notwendig um Fruchtfliegen gedeihen zu lassen. Hier kommt ein erstes heuchlerisches Element in diesem ungleichen Kräftemessen ins Spiel. Ich schaffe ein Umfeld, wo Fruchtfliegen gedeihen können, um sie, wenn sie viele werden, mit allen Mitteln der Hauswirtschaft zu bekämpfen. Weil es Sommer ist und die Sonne scheint, lasse ich ihnen aber ein Fluchtweg offen, obwohl ich weiss, dass sie ihn nicht benutzen werden, weil sie damit ihrer Lebensgrundlage verlustig gehen würden. Ich handle nur so, weil ich das Fenster gerne offen habe. Im stillen Dialog mit den Fruchtfliegen gestehe ich ihnen eine vermeintlich faire Rückzugsmöglichkeit zu. Heute habe ich sogar eine einzelne Fruchtfliege retten wollen, die sich im Schaum meines Abwaschs verirrt hat. Die Rettung kam zu spät, bevor ich sie mit Wasser abspülen konnte, verendete sie nach kurzem Strampeln. Ich war traurig. Ich dachte erst, sie habe nur eine kurzzeitige Lähmung und versuchte sie mit Frischwasser aus dem Schaum zu befreien. Sie glitt aber zu meinem Bedauern mit dem Wasser aus meinen Händen und in den Abfluss. Im Bemühen diese eine Fruchtfliege zu retten, versuchte ich die barbarischen Vernichtungen der Tage zuvor reumütig in einer einzelnen symbolischen Tat vergessen zu machen. Im Grunde dulde ich nur zwei, drei Fruchtliegen im Kehrichtsack. Werden es hunderte, so greife ich zum Staubsauger. Ich verwende auch ein Insektizid mit dem sinnigen Namen "Bio-Kill", 99% biolgisch abbaubar. Es ist ein ungleicher Kampf. Mit jedem neuen Sack kann ich mein perfides und dummes Kräftemessen mit den Fruchtfliegen austragen. Der Kauf von einem geschlossenen Abfallbehälter würde all die bisher geschriebenen Zeilen überflüssig machen. Aber er würde auch meine miesen und destruktiven Charakterzüge wie auch meine empathischen Gefühle gegenüber Fruchtfliegen nicht zur Geltung kommen lassen. Als Parabel für den Zivilisationsprozess ergeben sich tiefe Einsichten, wenn ein liderlicher Haushalt geführt wird. Sogar das leidige Thema, ob Geld und Geist Antagonismen sind, könnte erörtert werden. In dieser Hinsicht muss ich vehement widersprechen. Das Geld zum Kauf eines geschlossenen Abfallbehälters habe ich durch den Gebrauch des Staubsaugers und das "Bio-Kill" längstens ausgegeben. Und ich werde den Wert mehrerer Abfallkübel aufwenden um mich wenigstens in meinem liderlichen Haushalt omnipotent zu fühlen. Das sind durchaus ernst gemeinte Konjunkturförderungsanregungen für das dritte und vierte Quartal 2003. Würden alle Menschen mit den Fruchtfliegen so umspringen, ergäbe sie für die Saugstauberindustriesäcke und die Killerbiologie grössere Steigerungsabsätze. Die Förderung von Inselkriegen mit Insekten stärkt das Empfindungsvolk und fördert die Vermögensdurchsetzung von Reich gegen Arm in Anbetracht der Forderungsheraus-setzung der Kunft zu. Verdürfen keine Worte lieren. Fliegenfruchtfurchtbarkeiten. Mampf der Regdrezission. Fressobstmalthussianerwendetrendaltersuntenrentendeckungbrei. ei, ei.

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