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22.01.2002 20 32 pet #162

Ohne Zweifel, ich bin ein Hund. Aber es gibt da doch einige Nuancen, die mich von meinen Gattungsgenossen unterscheiden. Ich bin mir meines guten Aussehens bewusst, gebe mir jedoch stets Mühe, bescheiden zu bleiben. Es ist nicht einfach, das Leben, aber wir alle müssen das Beste für uns herausholen. Preise sind für mich Anerkennung dafür, dass ich viele Entbehrungen auf mich nehme. Ich arbeite hart an meiner Haltung, meiner Frisur und natürlich wie ich rüberkomme. Mein Ziel war immer schon Moderator einer eigenen Talkshow zu werden. Das Schicksal ausgesetzter, herumstreunender Strassenköter lag mir stets am Herzen. Möglicherweise lässt sich da was kombinieren. Vielleicht bleibt es beim Traum. Aber man darf nie nie sagen.
Lefzen ziehen sich leicht nach oben. Der Hund beisst in den bereitgestellten Plastikknochen. Das Studiopublikum erhebt sich. Die Moderatorin der Werbesendung für Hundefutter herzt das Tier. Das Publikum stürmt jubilierend die bereitgestellte Degustationstheke und reisst sich gegenseitig die Futterhappen aus den Händen, Pfoten, wie auch immer.
Der Dandie und wie er lebt
22.01.2002 17 20 pet #161
Weshalb Rauchen frei macht
Oder: das Haus, der Nachbar - eine Variation
Ich wusste, ich würde ihn für einige Zeit nicht mehr sehen. Ein halbes Jahr war vergangen, seit ich eingezogen war. Immer wenn ich ihm im Treppenhaus oder vor dem Haus begegnete, sprach er entweder erregt auf mich ein oder tat so, als würde er mich nicht sehen, um trotzdem nach mir zu schielen. Der Vormieter riet mir, mich nicht auf ihn einzulassen. Ich tat dies bis zu jenem Freitagabend im August. Mein Koffer war gepackt und die Sonne schien fast horizontal in das Zimmer mit dem Tisch. Ich hatte freigenommen und wollte mit einem Auto für zwei Wochen wegfahren. Wohin wusste ich noch nicht. Einfach ans Meer. Mein Nachbar hatte wie immer im Sommer seine Türe offen und so lud ich ihn zu einem Tee ein. Ich dachte mir, es wäre die Gelegenheit, ein entspanntes, nachbarschaftliches Verhältnis zu beginnen. Ich versuchte ein Gespräch in Gang zu bringen. Es ging nicht. Er sprach in dramatischen Bildern ohne Zusammenhänge. In verschiedenen Sprachen. Ich erfuhr, dass seine Mutter Sudanesin sei und sein Vater Aegypter. Er erzählte von Paris und wie er dort von Polizisten behandelt wurde, wie sein Arbeitsplatz in Brand geriet, und alles über den Stromschlag. Seine impulsive Gestik verriet, dass er weder zuhören noch verstanden werden wollte oder konnte. Ich verabschiedete mich von ihm, stieg in das Auto und fuhr los. Ein Abendgewitter entleerte sich über Zürich. Ich zündete mir eine Zigarette an und fühlte mich frei.
Die Zigarettenwerbung lügt zwar besser. Aber das nächste Mal versuche ich mich am Alkohol. Ich hatte die Idee meinem Artikel einen Aufhänger zu geben, damit er gelesen würde, habe wohl das Ziel verfehlt. Aber das nächste Mal versuche ich mich an der Pornografie. Nein aber auch. Also, dann versuche ich mich an der indifferenten Betrachtung eines Hundes von höherem Stand. Das sollte klappen.
22.01.2002 11 57 nik #159

Model Lissabon
Sehr funktionelles Bettsofa (wer es findet, kriegt eins geschenkt) mit hoher Schlafqualität. Normale Liegehöhe und einfachste Bedienung zeichnen dieses Modell aus. Ein grosser Stauraum schluckt das ganze Bettzeug. Eignet sich für jede Nacht. Stoff nach Wahl.
22.01.2002 00 19 han #158
Grandiose, völlig neue Literaturgattung: Prosaisierung. Hier: ?Das Talermonster? aus dem gleichnamigen Lustigen Taschenbuch Nr. 145 von Walt Disney.
Das Talermonster
Schön war?s im Garten, und ruhig. Wenigstens bis zu dem Zeitpunkt, als ein lautes ?Dadadadaa! Damdaaa!? Herrn Duck aus seiner wohlverdienten Ruhe riss. ?Huch, was ist das für eine Musik?, schoss es ihm durch den Kopf. ?Die kommt wohl aus dem Geldspeicher? sagte Tick, einer von Ducks Neffen, und zögerte einen Moment, den Wagen, mit dem er zusammen mit Trick und Track, seinen Brüdern, in das Spiel ?Verkehr? involviert war, weiterzubewegen. Die seltsamen Geräusche schienen vom nahegelegenen Hügel zu kommen, auf dem Herr Duck?s Onkel, Dagobert Duck, ein schwerreicher Finanzmagnat, sein Anwesen hielt. ?Schreck lass nach! Der Wind steht genau in unserer Richtung! Deshalb dröhnt das so! Unerhört!?. Herr Duck war entschlossen, diese Ruhestörung nicht einfach hinzunehmen. ?Das ist Ruhestörung und Hausfriedensbruch!? murmelte er vor sich hin und machte sich auf den Weg zum ?Geldspeicher?, wie Dagobert Ducks Anwesen von den Leuten in Entenhausen genannt wurde.
Als Donald Duck den Geldspeicher betrat, traute er seinen Augen nicht. Auf einem Geldsack sass ein äusserst bedrückt wirkender Onkel und lauschte ohrenbetäubenden Klängen. Es machte den Anschein, als wolle er sich sein Trübsal mit der Musik erleichtern. Sein Buttler versuchte vergebens, ihn mit Tee wieder aufzupeppen. Irgend etwas musste ihm zugestossen sein. Sein Anblick glich jenem einer armen Ente. ?Dreh sofort das Ding da leiser? sagte der jüngere Duck und deutete auf das Gramophon. ?Das ist ja schlimmer als die Rockmusik von den Kindern! Kaum auszuhalten?. Jetzt wirkte der Onkel noch betrübter. ?Hab Mitleid mit deinem armen Onkel? sagte er. Seine Stimme war weinerlich. ?Die Schicksalssymphonie ist die einzige Musik, die meiner jetzigen Seelenlage angemessen ist!? Nun konnte er sich die Tränen nicht mehr weiter verkneifen. ?Eine schreckliche Vorahnung lastet auf mir!? flennte der rüstige Rentner, der auf der Goldsuche in Klondike einst zu Geld gekommen war. ?Ich fühle, dass meinen geliebten Talerchen Verderben droht!? - ?Quatsch! Seit wann hast du denn Angst vor der Konkurenz?? versuchte Donald seinen Onkel zu beruhigen, erreichte damit aber genau das Gegenteil. Dagobert Duck schien der Kragen zu platzen. ?Was verstehst du denn schon davon? Geh mir aus den Augen du Nichtsnutz!?
u.s.w. u.s.f.
Prosaisierung endet leider auf Comicseite Sieben. Zu aufwendig. Nach Pensionierung geht?s weiter.
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