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22.01.2003 23 25 mo #973
ent-art.jpg

Eitelkeiten und Senftöpfchen

Manchmal machte es Sinn, Missverständnisse im Keim zu ersticken, andererseits entstehen dadurch ab und an die schönsten Blüten.
Der Kraepelintext war ein Que(e)rergebnis meiner Wissbegier in Sachen Islam & Homosexualität sowie kürzlicher Papierlektüre und eines Dokumentarfilmchens, welchletztere beide unbarmherzig nachvollziehbar den unaufhaltsamen und gesellschaftlich gewollten Weg so manch klugen Kopfes in die Psychiatrie schilderten. Das abgedroschene Beispiel Van Goghs ist eins von vielen in über hundert Jahren Wegsperrerei unbequemer Geister. Insofern haben Kunst und Psychiatrie sehr wohl miteinander zu tun, auch der Begriff "Entartete Kunst", um zwar nicht mit sonstwie geformten Palindromen, aber Wortbildern, die von anderen ganz bewusst verwendet wurden, zu spielen.
Eine Gemeinsamkeit sind ganz sicher existentielle Abgründe, seien es günstigenfalls auch nur temporäre, geistige.
Der Künstler als Kranker im ursprünglichen Sinne, verletzt oder verletzlich, sensibel, anders. Macht er ausserhalb geschlossener Anstalten Karriere, erwirbt er sich unter Umständen noch zu Lebzeiten Ruhm, wird er weggesperrt, hat er Glück, überhaupt wahrgenommen zu werden. Elite versus Rinnstein.
Ist Kunst geisteskrank oder künstlich oder künstlerisch? Was sind sogenannte Geisteskranke, wenn sie kreatiefeln? Imperfekt? Therapiert?
Auch wenn so mancher Seelenspiegel mit der Zeit blind wird, so blind, dass manch eineR über seinem ganzen begnadeten Blödsinn (= folie morale, welch "nettes" Konstrukt, fürwahr) vergisst, dass es ihn selber treffen könnte, so blind sollte niemand in seinem subjektiven Wohlbefinden sein.

It's a wonderful life, sometimes over the rainbow.

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