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08.01.2003 23 02 km #875
Nostalgie pur:

"Es ist sehr wichtig, daß man sich bewußt macht, daß der Körper der Urheber aller Zeichen und Symbole ist, und wir sollten die Beziehung zwischen Kopf, Arm, Hand und Stift beibehalten und diese kleine Bewegung ausführen, die so entscheidend für die Entstehung von Text ist."

Peter Greenaway einen franz. Philosophen zitierend in einem Interview mit Splatting-Image

08.01.2003 21 09 plu (über SMS) #874
SIMON AMMANN IST DER PETER WEBER DES SKISPRINGENS. NIK

08.01.2003 15 56 km #870
Bevor ich nach Bordeaux kam war ich einige Tage in Paris. Eine Unterkunft zu finden war schwierig, weil es viele Touristen hatte. Meine knappen Geldmittel verschlugen mich in ein Arrondissement, das so gesichtslos war, dass ich leider sein Namen vergessen habe. Zwischen Wohnkasernen, sechsspurigen Strassen und einem grossen Messegelände stand das mittelgrosse, dunkelgelb gestrichene Hotel. Der Receptionist war ein launiger Spanier. Er hat mich zusammen mit drei baskischen Jungs in ein Viererzimmer gesteckt. Die Jungs waren ganz gut drauf. Wir machten uns in englischer Sprache über alles und jeden lustig. Wenn sie baskisch miteinander sprachen, dann gröllten sie sich noch mehr kaputt. Nach einer Dusche verzog ich mich in die Stadt. Im Jardin du Luxemburg wollte ich in einem kleinen Buch weiterlesen. Es handelte sich dabei nicht um jenes, das ich der schon beschriebenen Buchhändlerin abkaufte, sondern war ziemlich leichte Kost. Lesen konnte ich trotzdem nur halbwegs, ich wurde abgelenkt von den durch den Park ziehenden Menschen und dem Parksee, auf welchem ferngesteuerte Boote herumkurvten. So entschloss ich mich das Naturhistorische Museum zu besuchen. So wie ein richtiger Tourist halt. Ich war ja auch einer.

08.01.2003 15 27 pet #869
Buchempfehlung, wenn wir schon bei der Seele angelangt sind:
Als Freud das Meer sah
Freud und die deutsche Sprache
Georges-Arthur Goldschmidt
Rezension bei Amazon

08.01.2003 13 57 dab #868

Seele

Erinnert oft und empfindsam an See. Die See, womöglich, und Adjektive wie 'ozeanisch' tauchen auf, in unserem Rationalen Ruderboot. Oder wieviele Wörter auf See- kennt ihr sonst? Wulfila wollte den Goten anima verständlich machen, die Bewegerin, oder vielmehr psyche, den kühlen Hauch. Auf jeden Fall etwas, das nach dem Tode bleibt, und seit den Christen gerettet und bestraft werden kann. Und als guter Proto-Jesuit wollte er seine Schäfchen nicht mit Fremdwörtern überrumpeln, sondern schaute sich erstmal im angestammten Wortfundus um. So wie goth nicht etwa mit deus oder gar jhwh zu tun hat, sondern den Guss bezeichnete, oder doch das rituell Begossene, die rührenden Holzgötzen, die man sich wohl vorzustellen hat, für jene Zeit. Und saiwala also? Die Etymologen liessen sich locken, konnte es nicht tatsächlich mit Seen zugehen? War für die alten Germanen der Aufenthaltsort ihrer Toten auf feuchtem Grunde? Man glaubt nicht mehr recht daran. Vielmehr mit Seil soll es eine Beziehung haben. Das im Tode gebundene, vielleicht? Eher sogar das eigenhändig und hoffentlich straff und fest gefesselte ist gemeint. Uralte Steppengräber deuten auf Fesselungen der Toten an ihre Gräber, denn sosehr man die Väter verehrt, zurückkehren als gruslig Untote sollen sie auf keinen Fall. Todesbanden demnach, Mumienwickel und Bann-Fesseln waren gemeint. Für Wulfilas Zwecke aber, war nicht ein Gebundenes dazu geeignet, Erlösung zu empfangen: Christ lag in Todesbanden, aber liess es dabei keineswegs bewenden; und wir Heutige können wohl immer noch die Seele als Gefesselte verstehen - für welche das Erlösungswerk nun Selbstfindungsworkshops und Shrinks auf sich nehmen möchten.

entecker.ch / aus der Blogosphäre


07.01.2003 12 06 nik (über SMS) #866
"ich chan eifach mit so moderne feministische autorine nüt afange!" studentin über sarah kirsch, lesesaal ds

07.01.2003 04 35 van #864
»Warum kann ich nicht verschiedene Leben anprobieren wie Kleider, um zu sehen, was mir am besten steht und zu mir paßt?«

Sylvia Plath, 1932-1963


06.01.2003 23 40 km #836
Nachdem ich das Buch fertiggelesen hatte, ging ich zum Bahnhof. Ich nahm die Regionalbahn in einen Vorort der Stadt. Eigentlich wollte ich mir ein Surfbrett mieten. Die Wellen waren aber nicht hoch genug, weil das Oertchen sich in einer grossen und langgezogenen, vom Atlantik abgeschirmten Bucht befand. Deshalb spazierte ich durch und über die Sanddünen und liess mich schliesslich neben einer Gruppe von anderen Strandbesuchern nieder. Ich kam ins Gespräch mit einem Franzosen, der offensichtlich wenig vom Meer zu verstehen schien. Ich verabschiedete mich bald wieder von ihm und watete mit hochgekrempelten Hosen der Wasserlinie entlang, die sich bei jeder Welle um nur einen Meter verschob. Die Sonne brannte und ich kam zu einem Strandcafé mit Schattenplätzen. Ich setzte mich und bestellte einen Tee. Im Schatten ruhend sah ich mir das Treiben am Strand an. Diese allzumenschlichen Menschen mit ihren allzumenschlichen Schwächen. Die Schwachheit macht den Menschen erst zu dem was er ist. Ich weiss, das ist ein Gemeinplatz. Ich lasse Gemeinplätze nicht gerne aus, weil sie überall so viel Raum einnehmen. Würde man sich um die Gemeinplätze stehlen, würde man ein sehr einsamer Mensch werden. Sobald jedoch die Gemeinplätze nicht mehr als solche wahrgenommen werden, zerbrosmen sie in tausend kleine uniforme und schon viel gesehene Partikel öder Banalität.

06.01.2003 19 51 mo #863
Seele

Das Wort dient nur den unwirklichen Mitteilungen.
Man spricht in den Stunden, wo man nicht lebt. Sobald wir sprechen, schliessen sich Türen. Das Schweigen einer Menge ist ein unerklärliches Gewicht. Die Menschen kommen nur zusammen um zu sprechen.
Meint: Die dünne Rinde des Rationalen, in der wir auf dem Irrationalen rudern. Die wahre Wahrheit zwischen zwei Menschen kann nicht ausgesprochen werden. Jede Anstrengung wird ihr zum Hindernis. Die Seelen vereinen sich, wenn sich die Lippen trennen.
Alles im Leben geht nach einem vorherigen Einverständnis vor sich, von dem man kein Wort spricht. (Das sind die Menschen, deren Leben in jedem Augenblick präsent ist, rund um sie steht.)

Robert Musil / Aus den Tagebüchern

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