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06.01.2003 02 09 nik #848
Lula: Die Lula Bar liegt fast am Ende der Zentralstrasse stadtauswärts. Früher war darin ein Tonstudio. Die Bar ist ziemlich klein, nicht mehr als fünf Tische. Die Lula Bar ist keine Bar für heiteres Besaufen, dafür ist man viel zu ausgestellt darin. Rundherum verglast sitzen die Gäste wie in einem Aquarium und können von den Fussgängern bei ihrem meist sehr artigen Treiben beobachtet werden. Warum gehe ich in die Lula Bar? Nicht, weil sie besonders schön ist. Auch nicht, weil es dort günstiger ist als anderswo. Schon gar nicht, weil die Bedienung besonders nett ist. Warum nur? Ein Grund mag sein, dass die Lula Bar gleich bei mir um die Ecke liegt. Meist gehe ich Sonntagabends gegen zehn oder elf Uhr und trinke 2 Bier (oder 3), niemals 4. Mir scheint, dass es eine Grenze gibt zwischen dem dritten und vierten Bier und diese will ich an Sonntagabenden nicht überschreiten.
Auf den Bistrotischchen in der Lula Bar stehen schicke Aschenbecher und ? der Dorn in gastronomischen Augen ? diese kleinen Plexiglaskuben, aus welchen ein Greifarm hervor ragt einen Zettel greifend, auf dem steht: ?Wir bedienen dich gerne an der Bar!? (Vorderseite) und ?Please order at the bar!? (Rückseite). Da sich diese Schildchen besonders gut zum rumknobeln eignen, sind sie dann auch immer ganz speckig. Aber auch diese kleinen Undinger werden eines Tages aus unseren Bars verschwunden sein.
Wenn ich schon mal bei kleinen Dingen in Bars bin, die mich nerven, dann kann ich auch gleich folgendes noch loswerden: Gaststättebetreiber, welche die eben beschriebenen Hol-doch-dein-Bier-selber-Tentakel auf den Tischen stehen haben, finden es oftmals besonders originell, der Fantasie für die Kennzeichnung der Herren- bzw. Frauentoilette freien Lauf zu lassen. Das krasseste Beispiel hierfür ist meines Erachtens die Berta Bar am Idaplatz. Dort hängt vor der Herrentoilette ein Plüschtierchen mit hellblauem Leibchen und vor der Damentoilette ein Plüschtierchen mit rosa Leibchen. Da nun aber diese beiden Farben alleine nicht schlüssig als Mann und Frau interpretiert werden können und sich offenbar schon einige Gäste (anscheinend nur die männlichen) in der Türe geirrt haben, steht nun unter dem Plüschtierchen mit dem rosa Leibchen: ?Bitte wirklich nur für unsere weiblichen Gäste!!!?
Ich finde, es sollte auf Türen, hinter denen sich Pissoirs und Schüsseln bzw. nur Schüsseln verbergen, in grossen Lettern folgendes zu lesen sein: FRAU bzw. MANN.

05.01.2003 00 23 nik #847
Bermuda Bar: Vor ca. zwei Jahren wurde die Bermuda Bar geschlossen. Der Betreiber sagte was von Problemen mit verschiedenen Gästen und der Polizei, angesprochen auf die Gründe der Schließung. Das Zentrum der Bermuda Bar bildete ein schäbiger Billardtisch. Waren die Billardcracks ausreichend betrunken, durfte man durchaus gegen sie antreten. Auf dem Weg zur Toilette stand etwas abgesondert der Zigarettenautomat und ein Flipperkasten, der, wenn man daran spielte, einen höllischen Lärm verursachte. Wenn ich mich recht erinnere, war der Flipperkasten thematisch an die Adams Family angelehnt. Jedenfalls etwas Gespenstisches. Der Barkeeper und Besitzer der Bar ? an seinen Namen kann ich mich nicht mehr erinnern ? war aus Venezuela. Er liebte die Musik von Gölä und konnte alle Texte ?auswendig? mitsingen, d.h. er sprach nur sehr schlecht Deutsch und noch schlechter Dialekt und schon gar nicht sprach er Berndeutsch, also sang er die Texte Göläs in einer Sprache, welche er für Berndeutsch hielt. Das klang in etwa so, wie es geklungen haben musste, als wir, der Englischen Sprache durchaus unmächtig, elf- oder dreizehnjährig die Hits aus der Parade sangen (Afi luki for Fridom...). Im Gegensatz zu uns damals war er sich der sprachlichen Komik jedoch bewusst, und seine Performanz machte einen Grossteil seines Charmes aus.
Gleich links neben dem Eingang hingen eine Jukebox und etwas daneben ein urschlechtes Portrait von David Bowie.
Die Bermuda Bar musste der Highlander Bar weichen. An der Wand hängen nun Eisenrüstungen und ich schätze, dass es dort Minimum vierzig verschiedene Sorten Whisky zu trinken gibt. Thematisch ist die Highlander Bar eher so an was Lochnessiges angelehnt. Jedenfalls etwas Gespenstisches.


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